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Die Schleifgasse: Feigenblatt für Bodenversiegelung?


(Lokalbericht aus Wien)




Symbolbild

Die Schleifgasse – eine kurze Einbahnstraße in Wien Floridsdorf – ist zum Prestigeprojekt erkoren worden. Die Parkplätze mussten Blumentöpfen weichen und der historische Schlingerplatz soll zum Shoppingzentrum werden. Das symbolische Projekt für „Bodenentsiegelung“ soll vom Flächenverbau an den Stadträndern ablenken.

 

„3.000 Quadratmeter ‚entasphaltiert‘ und begrünt, 17 neue Bäume sorgen im kommenden Sommer für Schatten“ - so wird in den Bezirksblättern über das Prestigeprojekt Schleifgasse geschwärmt. Es ist eigentlich schon fast peinlich, was für ein Wirbel über ein paar Blumentöpfe und trostlose „Bankerl“ gemacht werden kann.

 

Mit der Planierung der Schleifgasse will man Einkäufer vom stark besuchten Floridsdorfer Bahnhof zum historischen Schlingermarkt locken. Dieser grenzt an den Schlingerhof, einen wichtigen historischen Gemeindebau in Wien, und ist ein verstecktes Zentrum von Wiener Kultur im Bezirk. Was die neuen Einkäufer dort bringen würden ist klar: am Floridsdorfer Bahnhof haben nur Interspar und McDonalds überlebt. Was die kleinen Standler vom Schlingermarkt betrifft, könnte ihnen ein ähnliches Schicksal blühen.



Schlinger-Hof

„Die Schleifgasse ist ein gelungenes Beispiel für die Nachnutzung von neu gewonnenen Flächen im Zuge der Parkpickerlerweiterung.“ Die Bevölkerung wird mit der Parkpickerlpflicht, die jetzt in ganz Wien gilt, drangsaliert, was ursprünglich auch damit argumentiert wurde, dass die Anrainer mehr freie Parkplätze zur Verfügung haben. Nun werden aber die Parkplätze abgebaut, in der Schleifgasse gibt es von ursprünglich 60 nur mehr 20 Parkplätze. Abgesehen von den Teilen um den Floridsdorfer Bahnhof, ist die öffentliche Anbindung im Bezirk schlecht und viele Leute sind aufs Auto angewiesen. Wenn der Bezirk also stark anwächst, wie kann es dann sein, dass Parkplätze wegplaniert werden?

 

Während in der Schleifgasse ein paar Blumentöpfe und Bäume hingepflanzt wurden, was als „Entsiegelung“ bezeichnet wird, werden am Außenrand des Bezirks riesige Flächen zubetoniert. Trostlose Prestigeprojekte wie die Schleifgasse schädigen nicht nur die Anrainer und die Kultur im Bezirk, sondern sie sind auch ein Feigenblatt gerade für die Verbauung und Versiegelung.

 



Bildquelle:

Symbolbild, vmedyk, Pixabay

Schlinger_Hof, Peter Gugerell, CC0 1.0 Urkunde

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