Reicht der Lohn in der Gastro aus?

Aktualisiert: 28. Juli


(Korrespondenz aus dem Alltag)


Zu dem Interview von der Zeit im Bild vom 02.07.22 mit Tourismus-Staatssekretärin Kraus-Winkler (ÖVP) kann ich nicht schweigen, denn es ist vollkommener Schwachsinn!

Bei dem Interview ging es um den Fachkräftemangel in der Gastronomie. Ich bin selbst ein gelernter Koch und kenne die Gastronomie nur zu gut. Ich würde diese Arbeit auch gerne machen, doch nicht zu diesem Lohn. Und genau das ist der Punkt, warum viele nicht oder nicht mehr in der Gastronomie arbeiten wollen. Man arbeitet 40 bis 60 Stunden in der Woche für durchschnittlich gerade einmal 1.300 Euro Netto. Dazu kommen Wochenende und Feiertage, die nicht wie in anderen Branchen mit Zulagen vergütet werden, sondern als normale Arbeitstage gerechnet werden! Das ist zudem auch mit Familie fast nicht zu vereinbaren.


Auf die Frage, ob der Lohn für den „Fachkräftemangel“ Schuld sei, meinte Kraus-Winkler im Interview nur, „dass das nicht das Problem sei, da man sich seit jeher den Lohn bei der Einstellung ausmacht“. Das stimmt soweit auch, doch es wird nicht erwähnt, dass die meisten Hotels oder Wirte nicht mehr als den Kollektivlohn zahlen. Man hört auch von viele Kollegen aus der Gastronomie, dass dort wo genug gezahlt wird, auch das nötige Personal vorhanden ist.


Weiter wurde die Staatssekretärin im Interview gefragt, „ob die Arbeitsbedingungen nicht verbessert gehören, dass mehr Leute sich die Arbeit wieder antun“. Darauf kam die Antwort, dass „gerade bei den Arbeitsbedingungen sich in den letzten Jahren extrem viel zum Besseren verändert hat“. Mit Wörtern wie „moderne Arbeitsmethoden, moderne Führungskultur oder Organisationskultur“ beschreibt sie die nicht vorhandenen Verbesserungen in der Gastronomie. Leere Worte und eine sehr realitätsfremde Antwort. Denn in Wirklichkeit sieht die Sache anders aus. Beispiele hierfür gäbe es genügend, wie auch die letzten zwei Jahre gezeigt haben, in denen die Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Gastronomie nie gewusst haben, ob die nächste Woche noch gearbeitet wird, oder ob nichts offen haben darf.


Klar ist, solange unter solchen Bedingungen gearbeitet werden muss, werden viele auch nicht diesen Beruf ausüben können, auch wenn er ihnen noch so viel Freude bereitet.




Bildquelle: Pixabay - peter-facebook


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