Statt Arbeitsrechten wird Vertuscht und Gekündigt!

Aktualisiert: 9. Juni

Korrespondenz aus einer pädagogischen Einrichtung


Unser Betrieb ist eine Betreuungseinrichtung für Kinder und Jugendliche, die oft schwer traumatisiert sind und viele schlimme Erfahrungen gemacht haben. Schwere Fälle sollten eigentlich in dafür spezialisierte Einrichtungen kommen, was aber oft nicht der Fall ist, sodass sie trotzdem bei uns landen, weil der Betrieb für diese Kinder von der Stadt Wien mehr Geld zur Verfügung gestellt bekommt. Viele hoch traumatisierte Kinder auf einem Platz und zu wenig Personal und Ressourcen ist eine explosive Mischung. In diesem Standort ist es schon lange so, dass es massive Gewalt gibt, sowohl gegenüber den Betreuern, als auch den anderen Kindern. Aber die zuständigen Chefs schauen weg, solange es irgendwie möglich ist. Einer Pädagogin wurde von einem Kind der Arm gebrochen und von einem anderen wurde ihr sogar ein Messer in den Rücken gestochen! Nun wurde ein Pädagoge, weil er sich bei einem Angriff selbst zu schützen versucht hat gekündigt, damit dem „Image“ der Einrichtung nicht geschadet wird. Die Chefs haben offensichtlich Angst davor, dass die Gewaltvorfälle in der Einrichtung an die Öffentlichkeit gelangen. Aber trotz dieser Vorfälle gibt es keine Änderungen in der Einrichtung. Weil sich die Angestellten wegen dieser katastrophalen Bedingungen beschwerten, wurde ihnen gesagt, dass die Einrichtung zum Schutz der Kinder da sei und nicht zum Schutz der Mitarbeiter! „Sie hätten die Aufgabe das in den Griff zu bekommen.“


Dass so mit den Angestellten umgegangen wird ist eine Frechheit – in unserem Betrieb gibt es nicht einmal eine Gefahrenzulage und wir sind auch nicht für so schwere Fälle ausgebildet. Nach außen wird die heile Welt präsentiert und nach innen alles auf die Betreuer abgeschoben. Genau deshalb bleiben in unserem Betrieb die Mitarbeiter im Schnitt nur eineinhalb Jahre. Die Mitarbeiter wechseln – und alles bleibt beim Alten und das Spiel wird weitergespielt. Solange wir uns nicht gegen solche Arbeitsbedingungen wehren, wird sich offensichtlich nichts ändern – nicht für uns und nicht für die Kinder!




Was sind Korrespondenzen?


Korrespondenzen sind Beiträge aus verschiedenen Teilen der Bevölkerung, sozusagen ein direktes Sprachrohr aus dem Volk. Ihre Gemeinsamkeit ist, dass die jeweiligen Korrespondenten direkt aus ihrem alltäglichen Leben berichten: aus dem Betrieb, dem Viertel, der Familie, der Schule, usw… Als Presse aus dem Volk, drückt die revolutionäre und demokratische Presse nicht nur die Interessen des Großteils der Bevölkerung aus, sondern bindet deren Repräsentantinnen und Repräsentanten auch aktiv ein, gibt ihnen eine Stimme, präsentiert die verschiedenen Meinungen und Ideen aus den Massen um sie miteinander vergleichen zu können und in Diskussion treten zu lassen. Daher finden in der Roten Fahne die Arbeiterinnen und Arbeiter, Stimmen der Jugend- und Frauenbewegung, der Studierenden, der Gewerkschaftskräfte, der Migrantinnen und Migranten ebenso wie der kleinen Selbstständigen und Gewerbetreibenden, Stimmen aus Stadt und Land, eine Plattform und ein Organ. Die Korrespondenten sind keine Redaktionsmitglieder, weshalb sie auch nicht im engeren Sinne an die Blattlinie gebunden sind, sondern “ihre Stimme” zum Ausdruck bringen.



Wie kann man Korrespondent der Roten Fahne werden?


Möchtest du aus deinem Betrieb, dem Viertel, der Familie, oder Nachbarschaft berichten? Dann schreibe uns unter korrespondenz@rotefahne.at und schildere kurz warum du Korrespondent sein und worüber du berichten möchtest.