top of page

Editorial: Doppelte Weltmeisterschaft: Billiger Nationalstolz und die nicht gelungene Ablenkung.



„Immer wieder, immer wieder….“ grölte wahrscheinlich auch Vizekanzler Babler bei seinem vom Steuerzahler finanzierten Luxus-WM-Aufenthalt in New York. Wo andere einen Kleinkredit aufnehmen müssen, um die horrenden Stadionpreise und Aufenhaltskosten zu decken, freut sich der Sportminister über sein „schönes Österreich“, dass ihm den Aufenhalt finanziert. Da kann er gute Selfies machen, obwohl er kurz zuvor dem Fußballprojekt „Käfig League“ für kostenloses Nachwuchstraining in den Bundesländern den Geldhahn zugedreht hat. Sich mit oberflächlichem und billigem Nationalstolz einlullen zu lassen, hat für die österreichische Bevölkerung noch nie Gutes gebracht.


 

Thomas Bernhard gegen den billigen Nationalstolz


Vor dem Hintergrund dieser Babler-Story ist wohl eher Thomas Bernhard, also die Kehrseite des billigen Nationalstolzes, angebracht: „Österreich selbst ist nichts als eine Bühne / auf der alles verlottert und vermodert und verkommen ist / eine in sich selber verhasste Statisterie / von sechseinhalb Millionen Alleingelassenen / sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige / die ununterbrochen aus vollem Hals nach einem Regisseur schreien“. (1) Bernhard, der im nicht weniger als heute verlogenen Nachkriegsösterreich erwachsen wurde, wusste nur zu gut um das Problem des österreichischen Volkes die fortschrittlichen Elemente seiner Geschichte von der „vermoderten“ Inszenierung der Herrschenden zu unterscheiden. Sich selbst und die Geschichte der eigenen Nation differenziert zu betrachten, und überhaupt die Sphäre der „Gemütlichkeit“ und „Gewöhnlichkeit“ zu verlassen, schien in manchen Perioden fast schon utopisch. Aber auch hier sollten wir es mit Bernhard halten: „Wir sollten immer daran denken, dass es auch noch etwas anderes auf der Welt gibt als die Gewöhnlichkeit.“ Die wirkliche „Weltmeisterschaft“ für die unterdrückten Massen in Österreich findet nicht auf dem Rasen statt, auch wenn das Nationalteam derzeit vergleichsweise gut aufgestellt ist. Sie sollte dort stattfinden wo es nicht nur im Fernsehen weh tun kann: in den Köpfen!


 

Nicht gelungene Ablenkung: Niederlage des US-Imperialismus


Auch auf Weltebene spielt sich die entscheidende „Meisterschaft“ nicht in den Stadien der USA, Mexikos und Kanadas ab, obwohl der Kongo die ehemalige Kolonialmacht England v.a. in der ersten Halbzeit ordentlich ins Schwitzen brachte. Wahrhafter Erfolg für die Völker aller Länder ist die taktische Niederlage der USA (und des zionistischen Israels) im Iran – welche durch das Waffenstillstandsabkommen nun auch auf Papier geschrieben steht. Dass die imperialistischen und zionistischen Mörderbanden gehörig aufs Maul bekommen, lässt die Herzen von Milliarden höher schlagen und ist Ausdruck eines Wendepunktes im Ringen gegen imperialistische Vorherrschaft und Hegemonie. Davon kann auch die groß inszenierte WM nicht ablenken. Der Austragungsort des wirklichen Kampfes findet derzeit also hauptsächlich in den unterdrückten Ländern statt – deren Völker nicht nur einen taktischen Sieg anstreben, sondern ihre Unabhängigkeit und Befreiung. Bei diesem Streit reicht es für die antiimperialistisch und revolutionär Gesinnten in Österreich natürlich nicht nur die Daumen zu drücken. Als Teil dieses Kampfes müssen auch hier Vorstöße gemacht werden. Klarheit über „Freund“ und „Feind“, Strategie und Taktik, sowie erste Grundlagen einer antiimperialistische Einheit für den Kampf in Österreich müssen der Startpunkt eines neuen Vorstoßes sein.

 


Patrice Lumumba: „Freiheit wird durch Kampf errungen“


Abseits aller Fußballanalogien wollen wir hier noch die Aufmerksamkeit auf einen Kongolesen richten, der bis heute Held der nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen des Kongo ist: Patrice Lumumba, der am 2. Juli 1925 geboren wurde. Er zeigt, wo wirklich Geschichte geschrieben wird: „Der Tag wird kommen, an dem die Geschichte sprechen wird. Aber es wird nicht die Geschichte sein, die in Brüssel, Paris, Washington oder den Vereinten Nationen gelehrt wird… Afrika wird seine eigene Geschichte schreiben.“ Als erster Präsident eines unabhängen Kongos vom belgischen Kolonialisten wurde er ein halbes Jahr später von der CIA ermordet. Entgegen aller Ablenkungsversuche durch die Herrschenden: Die Völker werden ihre Geschichte schreiben!

 

Quelle:

(1) Thomas Bernhard: Heldenplatz. Drama, 1988.


Bildquelle:

Fifa go home, Wotancito, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

 



Kommentare


bottom of page