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Arbeit im Callcenter: Das Unternehmen ist schuld, nicht der Kunde!


(Korrespondenz aus dem Betrieb)




Ich arbeite in einem Callcenter im Kundenservice. Wie man oft hört ist Callcenter-Arbeit eine sehr undankbare Arbeit. Vom Unternehmen wird man auf die Sekunde mit Software überwacht und mit einer unglaublichen Arbeitslast an Anrufen beschäftigt. Vom Kunden wird man wegen Problemen, für die man als Mitarbeiter nichts kann, zur Sau gemacht. Es ist nicht unsere Schuld, dass die Firma ein schlechtes Produkt oder Service anbietet, wir sind lediglich das Schild, das den ganzen Dreck und Hass abbekommt. Wir baden die Probleme und Fehler des Unternehmens aus, während das Unternehmen ungestört weiter seine Kohle scheffelt.


Die Kultur im Callcenter kann sehr schädlich sein. Die Unternehmen spielen die Mitarbeiter gegen die Kunden aus, sodass es de facto zur Unternehmenskultur zählt, dass „der Kunde ein Trottel ist“. Von Anfang an (sogar in der Schulung) wird den Mitarbeitern eingetrichtert, dass der Kunde an allem Schuld ist und dass das Unternehmen keine Fehler macht. Manche Mitarbeiter entwickeln tatsächlich ein „Wir-Denken“, wo sie sich mit dem Unternehmen identifizieren und sehr defensiv gegenüber gerechtfertigter Kritik von den Kunden reagieren.


Man braucht nicht viel sagen, diese Haltung ist natürlich falsch. Wir Mitarbeiter sind auch „Kunden“. Wir müssen auch immer irgendwo anrufen, sei es wegen Rechnungen, Beschwerden, Problem oder sonst was. Viel wichtiger noch ist, dass wir Mitarbeiter Angestellte sind. Wir sind nicht die Chefs. Wir entscheiden nicht über  schlechte Produkte und Services, wir baden sie aus. Wir nehmen dem Kunden das Geld nicht weg, wir werden als Angestellte und als Kunden selber ausgebeutet. Wir Angestellte halten natürlich das Rad am laufen, aber wir sind nicht die Entscheidungsträger. Wieso also sollten wir uns mit dem Unternehmen identifizieren? Das ist genau dasselbe Unternehmen, dass uns Tag ein und Tag aus einen Dreckslohn bezahlt und uns unter Arbeitsbedingungen unter aller Sau arbeiten lässt. Wieso sollte ich dem Unternehmen den Rücken stark machen? Das Service ist schlecht, die Produkte sind schlecht und den Chefitäten ist es komplett wurscht. Der Kunde ist nicht schuld, er hat verdammt nochmal recht! Statt gegen die Kunden zu schimpfen, sollten wir uns mit ihnen vereinen und gegen all die Schweinereien der Unternehmen vorgehen, sowie gegen den schlechten Lohn und die schlechten Arbeitsbedingungen kämpfen.





Bildquelle: Jonathan Borba, unsplash


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Was sind Korrespondenzen?


Korrespondenzen sind Beiträge aus verschiedenen Teilen der Bevölkerung, sozusagen ein direktes Sprachrohr aus dem Volk. Ihre Gemeinsamkeit ist, dass die jeweiligen Korrespondenten direkt aus ihrem alltäglichen Leben berichten: aus dem Betrieb, dem Viertel, der Familie, der Schule, usw… Als Presse aus dem Volk, drückt die revolutionäre und demokratische Presse nicht nur die Interessen des Großteils der Bevölkerung aus, sondern bindet deren Repräsentantinnen und Repräsentanten auch aktiv ein, gibt ihnen eine Stimme, präsentiert die verschiedenen Meinungen und Ideen aus den Massen um sie miteinander vergleichen zu können und in Diskussion treten zu lassen. Daher finden in der Roten Fahne die Arbeiterinnen und Arbeiter, Stimmen der Jugend- und Frauenbewegung, der Studierenden, der Gewerkschaftskräfte, der Migrantinnen und Migranten ebenso wie der kleinen Selbstständigen und Gewerbetreibenden, Stimmen aus Stadt und Land, eine Plattform und ein Organ. Die Korrespondenten sind keine Redaktionsmitglieder, weshalb sie auch nicht im engeren Sinne an die Blattlinie gebunden sind, sondern “ihre Stimme” zum Ausdruck bringen.



Wie kann man Korrespondent der Roten Fahne werden?


Möchtest du aus deinem Betrieb, dem Viertel, der Familie, oder Nachbarschaft berichten? Dann schreibe uns unter korrespondenz@rotefahne.at und schildere kurz warum du Korrespondent sein und worüber du berichten möchtest.

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