„Vereint durch Musik“? - Israels Teilnahme am Songcontest
- Patrick O.
- vor 4 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Mit der Veröffentlichung dieses Beitrags möchten wir einen kleinen Vorgeschmack auf den Inhalt der bald erscheinenden neuen Ausgabe der Roten Fahne geben.

Dass der sogenannte „Eurovision Songcontest“ (ESC) ein unpolitisches Musikevent sein soll war immer schon mehr Marketing-Schmäh als Realität und Ausdruck einer fragilen „gemeinsamen europäischen Kultur“. Besonders in den letzten Jahren scheint er dabei gerade anhand von politischen Differenzen zu zerbrechen und in seiner Aufgabe, eine heile Pop-Musik Welt und ein seichtes „miteinander“ vorzugaukeln, vollends zu scheitern. Die erzwungene Teilnahme Israels beim 70. ESC in Wien wird ein weiterer Meilenstein dabei sein, ihm seine Legitimität und Glaubwürdigkeit zu entziehen.
Während Länder wie Spanien, Holland, Slowenien, Irland aus Protest an der Teilnahme Israels nicht am ESC teilnehmen, hält die Mehrheit der EBU-Mitglieder eisern daran fest. Unter anderem Österreich. Wiens Bürgermeister Ludwig argumentiert, dass er „gegen einen Boykott von Künstlern“ sei. Offenbar wird dieses Argument gerade dann aus dem Hut gezaubert, wenn es den eigenen Zielen und Interessen entspricht: 2022 wurde Russland vom ESC ausgeschlossen, russische Künstler werden nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich sanktioniert. Das gleiche Schicksal ereilt palästinensische Kulturschaffende, welche unter dem Vorwand des „Antisemitismus“ bei zahlreichen Festivals und Literaturveranstaltungen ausgeschlossen wurden. Das Argument des „Kulturboykotts“ wirkt in diesem Zusammenhang also alles andere als Glaubhaft.
Was ursprünglich unter dem Label „Europäische Einheit“ als inszenierte TV-Show vermarktet wurde, ist heute ein politisiertes Event der „westlichen“ Eliten. Was nicht dem westlich-liberalen Vorstellungen und Zielen entspricht wird aussortiert, alles andere hochgejubelt, auch wenn es musikalisch unter jeglicher Zumutbarkeitsgrenze liegt. Israel hat sich für diese „Bekenntnis-Kultur“ früh vorbereitet, und gleichzeitig seine Rolle als aggressiver Vorposten der „westlichen“ Imperialisten in Vorderasien erfüllt. Die Herrschenden in Österreich versprechen sich von der „bedingungslosen“ Verteidigung Israels eigene Vorteile im Mittleren Osten - und dafür wird auch Völkermord in Kauf genommen. Statt „United by Music“ sollte „United by interests“ die Stadthalle zieren.
All jenen, denen es wirklich um musikalische Vielfalt und Völkerverständigung geht und daher auch die Bühne für Völkermord ablehnen, sollten sich daher den zahlreichen Protest- und Gegenaktivitäten zum ESC anschließen.
Bildquellé:
Live Konzert, stux, Pixabay






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