Georg Weissel – Ein Held des Roten Februars.
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Der nachstehende Text gibt einen kurzen Bericht über die Biographie Georg Weissels (28.03.1899-15.02.1934). Georg Weissel stammte aus proletarischer Familie. Unter großen Opfern brachten seine Eltern die Mittel auf, um ihn studieren zu lassen. Schon früh schloss er sich der Sozialdemokratie an, entwickelte in dieser aber einen klaren Standpunkt linker Opposition. Der Vorabend der Februarkämpfe, wie der Rote Februar selbst, brachten den Genossen Georg Weissel dazu, mit der verrotteten Sozialdemokratie zu brechen und unter der Führung der Kommunistischen Partei seinen Platz im Klassenkampf einzunehmen. An diesem Platz spielte er eine hervorragende Rolle in den bewaffneten Kämpfen in Floridsdorf und hielt die rote Fahne der kämpfenden Arbeiterklasse hoch, bis er von der Reaktion gefangen genommen und hingerichtet wurde. Der nachstehende Auszug ist ein persönlicher Bericht eines Kampfgenossen Weissels, der mit ihm in Floridsdorf kämpfte. Er entstammt der noch 1934 durch die illegale KPÖ verbreiteten Broschüre „Die Februarkämpfe in Floridsdorf“.
Es lebe das Andenken Georg Weissels, dieses herausragenden Vorkämpfers des Proletariats. Es leben die Helden des Roten Februars!

Die Feuerwehr-Hauptwache Floridsdorf und ihr Kommandant, Ingenieur Weissel
Georg Weissel wurde als Kind proletarischer Eltern im September des Jahres 1898 geboren. Der aufgeweckte Junge erregte die Aufmerksamkeit seiner Lehrer. Sein Vater, ein Eisenbahner, hatte ein verhältnismäßig geringes Einkommen. Trotzdem entschloss er sich, seinen Jungen studieren zu lassen. Georg Weissel kannte proletarische Not von frühester Jugend auf, und er hatte bald begriffen, dass sich die Arbeiterklasse einen besseren Lebensstandard erkämpfen müsse. Das schreiende Unrecht der kapitalistischen Gesellschaftsordnung trieb ihn als jungen Studenten schon in die sozialistische Bewegung. Begeistert und kampffreudig interessierten ihn am meisten die Möglichkeiten der Wehrhaftigkeit des Proletariats. Das Studium dieser Fragen war neben der Chemie seine Lieblingsbeschäftigung. Eine Zeitlang war er Kommandant der Akademischen Legion des Republikanischen Schutzbundes. Seine Genossen schätzten ihn als Kämpfer und liebten ihn als Kameraden. Nach Beendigung seiner Studien war Weissel in den Wiener Gemeindedienst getreten und erwarb sich auch hier die Sympathien seiner Berufsgenossen. Seine freien Stunden widmete er der Arbeiterbewegung. Durch sein breites Allgemeinwissen war er bald Funktionär innerhalb der Partei und wurde vom Schutzbund in die Zentralleitung entsandt. Zwei Jahre, 1925, 1926 und 1927 bis zum 15. Juli war er in der obersten Leitung des Schutzbundes tätig. Nach der blutigen Niederlage des 15. Juli trieb ihn sein revolutionäres und kämpferisches Temperament hinaus aus den Reihen der SPÖ. Er war sehr lange Zeit nicht Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, konnte sich aber auch nicht entschließen, der Kommunistischen Partei beizutreten. Er benützte jede Gelegenheit, um, wenn auch außerhalb der Reihen der sozialdemokratischen Parteimitglieder stehend, auf die Arbeiter im revolutionären Sinne Einfluss zu bekommen. Er wusste nur zu gut, dass die Aufklärung und die politische Schulung der Massen der Grundstein zu dem Erfolg im Kampfe gegen den Faschismus ist.
Als ich Weissel im Jahre 1931 anlässlich eines Vortrages über den Gasangriff kennen lernte, bewunderte ich sein kühnes, revolutionäres Temperament, und wir wurden rasch zu Freunden. Damals schon sagte Weissel, dass der bewaffnete Kampf gegen Faschismus und Reaktion unausbleiblich sei. Wir waren beide der gleichen Meinung, und mein Vorschlag – Weissel war doch Chemiker – eine hochbrisante Handgranatenfüllung herzustellen, wurde von ihm begeistert aufgenommen. Schon wenige Tage nachher saßen wir bis in die späte Nacht in der Feuerwehrhauptwache experimentierend beisammen. Lange Zeit hindurch experimentierten wir. Immer und immer wieder fuhren wir zusammen in die Donau-Auen und prüften die Brauchbarkeit unserer Erzeugnisse. Ich hatte lediglich das rein Mechanische bei unseren Versuchen zu bewerkstelligen. Vor etwa eineinhalb Jahren, es mag im April des Jahres 1933 gewesen sein, frage ich den Genossen Weissel, ob er denn kein Bedürfnis habe, in die Kampffront des Proletariats, in den Schutzbund eingereiht zu werden. Ich machte ihm den Vorschlag, sich neu organisieren zu lassen und in den Stab des Sturmregiments ‚Karl Marx‘ einzutreten. Weissel begrüßte freudig meine Aufforderung in den Schutzbund einzutreten, wollte aber von einer Parteimitgliedschaft in der SPÖ nichts wissen. Da aber die Mitgliedschaft bei der Sozialdemokratischen Partei Vorbedingung für die Aufnahme in den Schutzbund war, setzte er sich über seine Bedenken hinweg, ließ sich organisieren und war gegen Ende April wieder Mitglied des damals schon illegalen Republikanischen Schutzbundes. Mit Feuereifer organisierte er Vorträge und ich hatte des öfteren Gelegenheit, die dazu ausgewählten Feuerwehrleute in Gebrauch und Verwendung von Maschinengewehren zu instruieren. Im Dezember 1933, bei der Ausarbeitung unseres Aktionsplanes durch den Stab des Regimentes ‚Karl Marx‘, leistete Weissel den Handschlag. Er gelobte uns, dem Proletariat die Treue zu halten und seine ganzen Kräfte in den Dienst des Sozialismus zu stellen. Weissel hat seinen Schwur gehalten. Am 12. Februar vormittags beauftragte ich ihn, als der öffentliche Telefonverkehr nicht mehr funktionierte, durch die eigenen Linien der Wiener Feuerwehr die Verbindung in die anderen Wiener Gemeindebezirke aufrechtzuerhalten und fallweise zu berichten. Weissel entledigte sich tagsüber und während der ganzen Nacht hervorragend seiner Aufgabe. Durch Weissel hatte Floridsdorf, wenn auch unzureichend, aber doch Verbindung mit vielen Wiener Bezirken. Wir wussten auch, dass es außer in Simmering, Ottakring, Meidling, Favoriten und Döbling zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen gekommen war. Nicht eine Sekunde verließ Weissel das Telefon. Als wir nach schwerer Mühe am Dienstag Morgen das große Waffendepot offen hatten und Weissel zwei Maschinengewehre, 60 Gewehre und einige tausend Schuss Munition und Handgranaten bereits im Gebäude der Feuerwache hatte, meldete er an das Kreiskommando seine Kampfbereitschaft. „Jetzt sollen sie kommen“, waren seine Worte. Der grenzenlose Hass gegen die Faschisten gab ihm übermenschliche Kraft. Weissel wurde kurz nach der Bewaffnung von einem Ingenieur namens Ruttner, einem seiner Berufskollegen, gewarnt und aufgefordert, die Waffen abzugeben und das ‚Ehrenschild‘ der Wiener Feuerwehr nicht zu beschmutzen. Weissel erklärte seinem Berufskollegen, nicht zurück zu können, seine Pflicht als Revolutionäre zwinge ihn zu kämpfen. Ingenieur Ruttner meldete dem Vorgesetzten Weissels, dem Branddirektor Wagner, am Dienstag, den 13. Februar, halb 8 Uhr morgens, dass Weissel die Feuerwehrleute bewaffne. Daraufhin gab Branddirektor Wagner durch Ruttner den Befehl, die Mannschaft sofort zu entwaffnen. Weissel antwortete telefonisch und erklärte ihm, das mache er nicht. Auf die Frage des Branddirektors, ob Weissel denn wahnsinnig geworden sei, antwortete er: das gehe ihn nichts an, er kämpfe als Revolutionär und verlasse seine Kameraden nicht – und hängte ab. Daraufhin schrillte das Telefon noch einmal und als sich Ruttner meldete, bekam er Befehl vom Branddirektor Wagner, über die Hofmauer zu klettern, um die Polizei zu verständigen. Als Ruttner an der Ausführung des ihm gegebenen Befehls gewaltsam gehindert wurde, verständigte Branddirektor Wagner das Polizeipräsidium. Wagner hielt sich zur Zeit in der Zentrale der Wiener Berufsfeuerwehr ‚Am Hof‘ auf. Kurz darauf traf der Polizeistabshauptmann Franz Heizinger mit der vierten Kompanie der Sturmabteilung der Bundessicherheitswache ein. Im Verein mit Heimwehr und Militär stürmten sie die Feuerhauptwache, besetzten sie und führten Weissel mit 60 Mann als Gefangene ab. Auf der Stiege stehend, als er schon erkannt hatte, dass die Feuerwache verloren sei, feuerte er noch aus seiner Armeepistole gegen die Polizisten. Seiner Gefangennahme war ein harter Kampf vorausgegangen. Weissel wurde dem Standgericht überstellt. Viele von den Feuerwehrmännern wurde im Hof des naheliegenden Kommissariats erschlagen. Die blutigen Monturstücke, die nachmittags und abends von den eingelieferten Gefangenen gesehen wurden, letzten davon Zeugnis ab.
So unerschrocken, wie während der Kämpfe und so mannhaft, wie während der ganzen Verhandlung verhielt sich Weissel auch bei der Verkündung seines Todesurteils. Dienstag, 21 Uhr 43 Minuten, erschien der Standgerichtshof wieder im Saal, und der Vorsitzende Vizepräsident Hanel, verkündete das Urteil. Der Angeklagte Georg Weissel wurde des Verbrechens des Aufruhrs für schuldig befunden und gemäß Paragraph 74 des Staatsgesetzblattes zum Tode durch den Strang verurteilt. Mit eisiger Ruhe und völlig unbewegt nahm er das Urteil auf. Auf die Frage, ob er das Urteil verstanden habe, antwortete er mit ruhiger, fester und lauter Stimme: „Ja!“ Geistlichen Beistand lehnte er ab. Drei Stunden danach standen die Scharfrichter im schwarzen Gewand, mit schwarzem Hut und schwarzen Handschuhen im Galgenhof. Es waren Funktionäre des Gerichtes anwesend. Das Urteil wurde noch einmal rasch verlesen. An den vergitterten Fenstern klebten die Gefangenen des Landesgerichts, starr, mit angehaltenem Atem beobachteten sie jede Bewegung der wenigen Anwesenden. Ihre Fiebrigen Augen hingen an Georg Weissel. Ungebeugt und erhobenen Hauptes schritt er zum Galgen. Atemberaubende Stille im Galgenhof des Landesgerichts. Man hörte förmlich die gepressten Atemzüge der an den vergitterten Fenstern Hängenden, als der Henker die Schlinge um den Hals Weissels legte. Seine klare, weithin schallende Stimme zerriss die unheimliche Stille dieser grausigen Richtstätte: „Es lebe die proletarische Revolution!“ Sein letztes Wort galt der Idee, für die er gelebt hatte und für die er sterben musste. Nach acht Minuten stellte der Gerichtsarzt den Eintritt des Todes fest.









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