Schilderungen eines Revolutionärs aus der Ostukraine

Vor Kurzem ergab sich für die Redaktion der Roten Fahne die Möglichkeit eines Gesprächs mit einem Vertreter von Borotba (Übers: „Kampf“) aus der Ukraine. Dieses Mitglied von Borotba ist heute nach wie vor in der Ostukraine und dort aktiv im Kampf gegen imperialistische Einflussnahme und Aggression. Hier wollen wir unseren Leserinnen und Lesern einen kurzen Einblick geben.


2014, mit dem faschistischen Putsch im Zuge des sogenannten „Euromaidan“, änderte sich das Leben für viele Ukrainerinnen und Ukrainer, insbesondere im Osten des Landes, schlagartig. Der Vertreter von Borotba berichtete über dieses Ereignis: „90 Prozent der Bevölkerung in Odessa sind russisch. Sie wollten keine Befehlshaber aus Kiew, sondern stattdessen ihre eigene Exekutive. Odessa war eine Art von steuerfreier Zone. Die Bevölkerung wollte das beibehalten (sie forderten zumindest ihre Steuern nicht nach Kiew abliefern zu müssen). Das Resultat [mit dem Maidan – Anm.] waren friedliche Demonstrationen und Proteste. Diese wurden im Blut des Angriffs vom 2. Mai ertränkt. Zu dieser Zeit wurde das Gewerkschaftshaus in Odessa angezündet. Ich war in diesem Moment nicht dort, weshalb ich nicht verletzt wurde. Aber viele meiner Freunde, Kollegen und Genossen von Borotba wurden umgebracht. Dieses Massaker wurde vom Staat in Kiew geplant, das ist heute bewiesen.“ Dieses Massaker war eine Antwort auf die Unabhängigkeitsbestrebungen in der Ostukraine, die sich nicht von den neuen faschistischen Machthabern beherrschen lassen wollte. „Nach dem Sieg des Maidan waren viele von uns sehr wütend. Wir sahen die einzige Möglichkeit in der Schaffung selbständiger Regionen. Wir wollten unsere eigene Regierung, die nicht die Präsidenten Kiews sein würden.“


Nach dem Maidan wurde durch die westlich gestützte Regierung versucht, die Bevölkerung gegeneinander aufzuhetzen und in „Russen“ und „Ukrainer“ zu spalten. Es folgten Gesetze, die den Gebrauch der russischen Sprache und die Kultur einschränkten. „Bis 2014 wurde den Widersprüche zwischen den Ethnien in der Ukraine mit demokratischen Mechanismen begegnet, aber das endete mit dem Maidan.“


Die Widerstandsbewegung gegen den Maidan mündete in der Schaffung der unabhängigen Regionen im Donbass, Donezk und Lugansk. „Nun gab es in der unabhängigen Region Donbass in der Ostukraine die schwersten Kämpfe seit 2015. Die Hauptstadt der Republik Donezk wurde bombardiert. Nach Berichten benutzte Kiew schwere Waffen, was einen Verstoß gegen das Minsker Abkommen darstellt. Russland nutzte diese Gelegenheit dieser Eskalation und kündigte an, Truppen in den Donbass zu schicken.“, so der Vertreter von Borotba.


Entgegen der westlichen Medienmonopole wurde auch die allgemeine Situation in der Ukraine angesprochen. „Es gibt eine schwer politische, ökonomische und infrastrukturelle Krise in der Ukraine. Die Bevölkerung ist wütend, aber hat auch Angst vor den extrem rechten Gruppen und dem Geheimdienst. Präsident Zelenski sucht verzweifelt nach einem Erfolg, welchen er im Donbass erreichen will und deshalb auf Unterstützung vom Westen hofft. (…) Genauso wie vor sieben Jahren half Russland dem Donbass nur sehr halbherzig, weil es sich mit drohenden Sanktionen konfrontiert sieht. Nun hat die Ukraine 120.000 Truppen an der Waffenstillstandslinie stationiert. Inzwischen sind sie mit türkischen Drohnen und NATO-Munition ausgerüstet, um den Donbass anzugreifen. Die Situation in der Ukraine ist so, dass der Westen immer näher und näher kommt, Waffen schickt, Infrastruktur und zehn Militärbasen für die NATO gebaut hat. Diese sind offiziell ukrainisch, aber die NATO nutzt sie schon jetzt.“


Es ist nicht die Bevölkerung, sondern die imperialistischen Großmächte die nach neuen Einflussgebieten gieren. „Es gibt die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen USA und EU und den post-sowjetischen Ländern nach neuen Märkten. Ein Schaden für Russland (oder anderen Ländern) ist immer gut für die Wirtschaft der USA, aber nicht gut für die normalen Leute in der EU oder USA. (…) Die wirklichen Gegner sind nicht die Menschen in diesen Ländern, sondern ihre Regierungen und die imperialistischen Eliten. Es wäre sehr gut, wenn ihr etwas organisieren könnt, um zu verhindern, dass Europa den Neonazi-Staat in der Ukraine unterstützt. Das Geld sollte lieber in die Bekämpfung sozialer Probleme investiert werden!“


Gedenkmarsch für die Ermordeten des Massakers von Odessa.