Gustave Courbet: Maler, Revolutionär und Begründer des Realismus.
- Katharina J.
- vor 1 Tag
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Erstmals gab es in einem österreichischen Museum eine dem französischen Maler Gustave Courbet (1819-1877) gewidmete Einzelausstellung. Im Wiener Leopold Museum war bis 21. Juni eine umfassende Schau seiner Werke aus allen Schaffensperioden zu sehen – ein lohnendes Ereignis! Entgegen allen damaligen Konventionen wurde die soziale Wirklichkeit zum Objekt seiner Darstellungen und er selbst damit auch zum Subjekt dieser sozialen Wirklichkeit: als revolutionärer Kämpfer der Pariser Commune. Von der Obrigkeit verspottet und gemieden, vom Volk als einer seiner Vorkämpfer anerkannt, hinterlässt er einen tiefen Eindruck in eine scheinbar einfache, doch auch heute oftmals gemiedene Anschauung: den Realismus.
Darstellung der Wirklichkeit
Großformatige Malerei war bis Courbet lediglich Darstellungen von Historienbildern oder Porträts bedeutender Persönlichkeiten gewidmet. Der rebellische Künstler Courbet brach mit dieser alten Konvention und holte damit die Malerei in die Realität seiner Epoche: provinzielle Szenen aus dem Alltag (bspw. „Nach dem Abendessen in Ornans“, 1849), arme Arbeiter, Bauern, oder auch der Maler selbst in seinem Atelier („Das Atelier des Künstlers“) wurden teils großformatig dargestellt. Das Werk „Die Steinklopfer“ (1849) ist eine Darstellung des Elends und der Armut bei der harten Arbeit des Steinklopfens und die Protagonisten werden zu wahrhaftigen Repräsentanten der untersten sozialen Schichten. „Die Steinklopfer“ gilt als Gründungsmanifest des europäischen Realismus. Dass das Volk selbst und die ungeschönte Wirklichkeit zum Inhalt der Malerei Courbets wurde, ist bereits Anzeichen für die geistige Haltung des Künstlers: „Der Realismus ist seinem Wesen nach demokratische Kunst“. Courbet schrieb in einem Brief: „Meine Sympathien gelten dem Volk; ich muss mich direkt an das Volk wenden. Ich muss meine Weisheit aus ihm schöpfen, und es muss mir Leben schenken.“ (1) Folgerichtig brach der Künstler auch bereits teilweise mit dem Mäzenentum, also der Abhängigkeit der Künstler von ihren Gönnern (bspw. ausgedrückt im Werk „Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet“) und war damit der erste „unabhängige“ Maler seiner Zeit.

Das Neue erwächst als positive Überwindung des Alten
Gustave Courbet war nicht deshalb ein revolutionärer Künstler, weil er das Vorherige prinzipiell ablehnte oder gemieden hätte. Er begann sein Studium der Malerei genau mit den Größen der Kunst der vorhergehenden Epoche. Er war Revolutionär, weil er wusste, dass eine neue Zeit, eine neue Epoche angetreten ist, um ihre Durchsetzung zu vollenden. „Der menschliche Geist muss seine Arbeit stets von Neuem in der Gegenwart beginnen und dabei von den bereits erzielten Ergebnissen ausgehen. (…) Die wahren Künstler sind jene, die ihre Epoche genau an dem Punkt aufgreifen, bis zu dem sie von den vorangegangenen Epochen vorangetrieben wurde.“ (2) Er brach mit den alten Konventionen in der Kunst ebenso, wie mit vielen damit verbundenen Anschauungen. Damit konnte er zum Streiter für eine neue soziale und gesellschaftlichen Ordnung werden, als aktiver Kämpfer der Pariser Kommune (1871), deren Künstlerföderation er leitete. Nach der blutigen Niederschlagung der ersten, wie Marx sie charakterisierte „Diktatur des Proletariats“, wurde auch Courbet inhaftiert. In Haft entstanden einige seiner bekannten Werke, wie unter anderem die „Forelle“ (1872).

Wissen, um schaffen zu können: Vorurteilsfreie und lebendige Kunst
„Ich habe mich, jenseits jeglicher Systeme und ohne Vorurteile, mit der Kunst der Alten und der Moderne auseinandergesetzt. Ich wollte weder die eine nachahmen noch die andere kopieren; (…) Wissen, um schaffen zu können – das war meine Idee. In der Lage zu sein, die Sitten, die Ideen und das Erscheinungsbild meiner Epoche nach meinem eigenen Ermessen wiederzugeben; nicht nur Maler, sondern auch Mensch zu sein; kurz gesagt: lebendige Kunst zu schaffen – das ist mein Ziel.“ (3) Diese Zeilen schrieb Courbet unter anderem in seinem „Manifest des Realismus“, um Sinn und Form seiner Kunst darzulegen. Der Realismus war Ausgangspunkt einer Kunstrichtung die später noch Weiter- und Höherentwicklungen erleben sollte, wie bspw. im Sozialistischen Realismus.
Im heutigen Zeitalter der kollektiven Selbstdarstellung (Social Media, etc…) muten diese Zeilen Courbets fast außerirdisch an. Wo „realistische Kunst“ (Selfie und Co.) zum unbegrenzten Massenphänomen wurde, ist ihr Inhalt doch nur ein schlechter Abklatsch einer im Sterben begriffenen Epoche. „Wissen um schaffen zu können“ - sollte auch heute zumindest am Beginn einer Hinwendung zum Realismus stehen: Im Dienste des Volkes, vorurteilsfrei und lebendig!
Quellen:
(1) Letter to his friend Francis Wey; as quoted in „Gustave Courbet“, by Georges Riat, Parkstone International, 15 Sep 2015, 1840s-1850s; eigene Übersetzung
(2) Realist Manifesto – an open letter, 1861; eigene Übersetzung
(3) The Realist Manifeso, 1955; Quelle: artandcontext.com; eigene Übersetzung






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