Editorial: Revolutionärer Journalismus gegen „Konsensfabrik“ der Systemmedien.

Aktualisiert: 16. Nov.



Medienhäuser und ihre Presseorgane sind bei Umfragen über das Vertrauen in Institutionen meist an den unteren Enden der Skalen angesiedelt. Nicht ohne Grund, ist es doch vor allem „Meinung“ und nicht „Wahrheit“ die man zu hören oder zu lesen bekommt. Ein Überblick.


Verfolgt man aufmerksam diverse Systemmedien, ist trotz Krise vor allem von „Erfolgen“ die Rede. Ein „großer Erfolg“ sei mit dem KV-Abschluss der Metaller zu verzeichnen gewesen, obwohl es sich in der Realität um den größten Reallohnverlust seit Jahrzehnten handelt. „Jubelmeldungen“ prägen die derzeitige Ukraine-Berichterstattung, obwohl keiner der „Erfolge“ ein Erfolg für die Bevölkerung ist, sondern weitere Kriegshandlungen auf dem Rücken des Volkes bedeutet. Ebenfalls haben sich die Lecks durch die Explosionen an den Nord Stream Pipelines offenbar in Luft aufgelöst, da es keinerlei Berichterstattung mehr darüber gibt. Systemmedien sind deshalb solche, weil sie nicht die Realität, sondern den Konsens der Herrschenden zum Volk repräsentieren. Je weiter diese „Konsensfabrik“ und die Realität der Bevölkerung auseinandergehen, desto größer die Krise in der sich die Herrschenden befinden.


Direkt anzuknüpfen ist hier bei der größten Kürzung der österreichischen Medienlandschaft seit Langem. Nicht nur soll die Wiener Zeitung als Tageszeitung aufgelöst werden, auch news.orf soll um mehr als die Hälfte gekürzt werden. Auch beim Radiosender Ö1 wird der Sparstift angesetzt. Die Tendenz ist, dass die öffentlich-rechtlichen Medien zusammengekürzt werden, wovon vor allem die privaten Medienmonopole profitieren. Natürlich ist der ORF ein Medium das durch die Herrschenden kontrolliert wird, doch als öffentlich-rechtlicher Rundfunk bleibt ihm ein öffentlicher Bildungsauftrag, sozusagen eine „ganzheitlichere“ Berichterstattung. Dieser Kahlschlag in der Medienlandschaft verheißt nichts Gutes, sondern verstärkt die Tendenz der Berichterstattung als „Meinungstransport“, die keinerlei Rechenschaft abzuliefern hat.


Wenn man nun die angebliche Notwendigkeit bei Medien wie Wiener Zeitung oder Ö1 den Sparstift anzusetzen, mit den neuen Korruptionsvorwürfen in der Causa Schmid vergleicht, ist ein empörtes Kopfschütteln zu wenig. Für Milliarden werden Posten vergeben, Politiker „eingekauft“, oder auch Wünsche von Immobilienmonopolen durchgesetzt. Während den „normalen Leuten“ bei jedem erdenklichen „Vergehen“, sei es bei Parkstrafen oder Maskenpflicht, Geld aus der Tasche gezogen wird, können es sich die Politiker, Manager und Unternehmer mehr als nur richten. Im Kapitalismus ist eine Trennung von „Privatwirtschaft“ und Staat nur Illusion, die Herrschenden haben sich den Staat einverleibt und ihren Interessen untergeordnet. Auch zehn weitere U-Ausschüsse werden an dieser Tatsache nichts ändern, denn das ist die Realität, die in den Medien immer wieder als „Einzelfall“ verdeckt werden soll.


Grund gegen dieses System und seine Medien zu rebellieren, gibt es also zur Genüge. Als jedoch die Jugendlichen in Linz in der Halloweennacht rebellierten, war die „Einheitsmeinung“ der „Konsensfabrik“ schon vorbereitet: jugendliche „Gewalttäter“ und eine „zutiefst antidemokratische Einstellung“ wurde von Innenminister Karner diagnostiziert und von den Medien verbreitet. Wieviel „demokratische Einstellung“ Karner selbst hat, muss allerdings zuerst hinterfragt werden. Als ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Texingtal war er jahrelanger Leiter des Dollfuß-Museums und Verteidiger dessen. Engelbert Dollfuß schaltete als Bundeskanzler 1933 das Parlament aus und errichtete als Vertreter des Austrofaschismus den Ständestaat. Es war auch Dollfuß der im Februar 1934 auf die Arbeiter schießen, tausende ermorden und in die Gefängnisse sperren ließ. Dass Jugendliche gegen dieses System der Ausbeutung und Unterdrückung rebellieren ist gerechtfertigt und widerspiegelt die Krise und den Umbruch in dem wir uns befinden.


Rebellion gegen Unterdrückung gibt es überall auf der Welt und derzeit speziell auch in Brasilien. Wenn der „Medienkonsens“, Lula wäre besser als Bolsonaro, beiseite gelassen wird, können wir uns der Realität der brasilianischen Bevölkerung widmen. Und hier stoßen wir schnell auf die Frage der armen Bauern und ihrer Forderung nach einer Agrarrevolution. Hat man nach den Systemmedien den Eindruck, Bauernkämpfe und Agrarrevolution wären „Teil der Vergangenheit“, sehen wir in Wirklichkeit ein anderes Bild. Die Mehrheit der Bevölkerung Brasiliens sind arme und landlose Bauern, die unter feudalen Verhältnissen des Großgrundbesitzes leiden und um Land kämpfen – und das erfolgreich. Ein wirklich revolutionärer Journalismus, der die Interessen der Unterdrückten verteidigt, stellt sich gegen die Systemmedien. Als eine Wegleitung wollen wir folgenden Satz von Friedrich Engels, der dieses Monat seinen 202. Geburtstag feiert, verbreiten: „Wo es keine Gemeinsamkeit der Interessen gibt, da kann es auch keine Gemeinsamkeit der Ziele, geschweige des Handelns geben.“ Verbreiten wir also Journalismus, der dem Volk dient!




Bildquelle: Zeitung, Andrys, Pixabay