Venezuela: US-Militärverwaltung unter Vorwand der Erdbebenhilfe
- Hannes L.
- vor 1 Tag
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Infolge des verheerenden Erdbebens vom 24. Juni mit über 3.500 bisher offiziell bestätigten Toten sind zahlreiche US-Militärs ins Land verlegt worden. Nicht die humanitäre Hilfe für die in Not geratene Bevölkerung, sondern die direkte Kolonialverwaltung stehen im Zentrum des Einsatzes der US-Truppen.
Der dicht besiedelte Küstenkorridor von den Städten Catia La Mar über La Guaira, 40 km von der Hauptstadt Caracas entfernt und nahe dem internationalen Flughafen Simon Bolivar, bis hin zur Stadt Caraballeda steht im Zentrum der Zerstörung. Zwei Erdbeben mit den Stärken 7,3 und 7,5 haben hunderte Gebäude zum Einsturz gebracht und die Stromversorgung zu mehreren Regionen abgeschnitten. Nach derzeitigem Stand gibt es 3.535 bestätigte Tote, nach wie vor herrscht der Ausnahmezustand in der Region und die Rettungsarbeiten werden nach allgemeinem Ermessen noch lange dauern. Doch nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro versuchen die USA diese Naturkatastrophe für ihre eigenen Ziele in Venezuela zu nutzen. (1)
US-Truppen weiten Kontrolle aus
Dazu gehört in erster Linie die Militärverwaltung durch die Truppen unter der südlichen Kommandozentrale „SOUTHCOM“. Die US-Militärschiffe und Flugzeuge standen im Zentrum des „Katastropheneinsatzes“ und das US-Militär hat mittlerweile auch die Kontrolle über zentrale strategische Punkte in der Region übernommen. Einheiten der US-Marines weiten ihren Einfluss über die Häfen der Region aus. Der Generalmajor Kevin J. Jarrard vom US-Marinekorps traf nur wenige Tage nach dem Erdbeben in Caracas ein und leitet seither die Operationen des SOUTHCOM.
Insbesondere am Simón BolÃvar International Airport sind seit dem 1. Juli Einheiten der US-Airmen und der US-Marines im Einsatz. Die um die hundert Soldaten haben die Logistik des Flughafens in zentralen Teilen übernommen und fliegen von dort Kampfhubschrauber und Drohnen aus. Selbst durch internationale Pressevertreter wurde in einer Frage an die venezolanische Regierung angemerkt, dass Truppen wie die US-Marines eigentlich Spezialeinheiten sind und warum diese nun logistische Versorgungsaufgaben übernehmen. Das wurde mit der recht halbherzigen Antwort abgetan, dass auch diese Truppen Erfahrung in der Organisation humanitärer Hilfe haben. Eine fadenscheinige Ausrede, die davon ablenken soll, dass die Präsenz der US-Marines natürlich militärischen Zielen dient. (2)
Es wäre bestenfalls naiv zu behaupten, dass im Zentrum dieser Einsätze nicht die allgemeinen Ziele des US-Imperialismus stehen würden. Seit dem Überfall auf das Land und seit der Entführung des Präsidenten Nicolas Maduro im Jänner wird versucht die Fremdherrschaft über das Land immer weiter auszubauen. Das geschieht nicht nur mithilfe der verräterischen Regierung unter RodrÃguez, die unter anderem auch das venezolanische Öl an die USA verkauft hat, sondern auch durch die direkte Präsenz von US-Truppen in Venezuela (insbesondere mit dem Attentat auf den Anführer der kriminellen Organisation „tren de …“ der mit verstärkter Präsenz in den Regionen mit Gold- und Coltanvorkommen verbunden ist). Die US-Armee übernimmt nun mit dem Erdbeben in offen kolonialer Manier weitere Teile der Lokalverwaltung. Die Naturkatastrophe dient angesichts dieser Lage vor allem als Legitimation für die verstärkte militärische Präsenz der USA.
Das Spiel mit den Zahlen
Es gibt auch Hinweise darauf, dass die katastrophalen Zustände nach dem Erdbeben wohl aus diesem Grund gezielt propagandistisch genutzt wurden wurden. So übernahm der ORF gleich am ersten Tag die Information von „bis zu 100.000 Toten“ die durch die US-Erdbebenwarte USGS verbreitet wurde, während die bestätigten Totenzahlen bald darauf auf 1.430 herunterkorrigiert wurden. Vergleichsweise wurden in der Berichterstattung über den Gazastreifen immer nur streng die Zahlen der gezählten Toten gebracht und nicht die (sehr hohe) geschätzte Zahl der unter den Trümmern bedeckten. Wo es von politischem Interesse ist die Totenzahlen zu steigern wird hier in zynischer Art und Weise ein anderer Maßstab angesetzt. (3)
Selbstbestimmung statt Marionettenregierung
Die Regierung unter Präsidentin Delcy RodrÃguez hat hingegen schon direkt nach dem Erdbeben, quasi schon im ersten Atemzug die Hilfe durch die US-Truppen angefordert. Die zahlreichen sozialen Einsparungen im Rahmen der US-verordneten „Schocktherapie“ – ganz zu schweigen der langjährigen US-Sanktionen – fallen dabei natürlich schwer ins Gewicht. Die Kollaboration der Regierung mit den USA und ihre Unterwerfung unter deren Interessen wird die Hilfe nach der Naturkatastrophe nicht garantieren können, sie hat aber die weitere Versklavung des Landes zur Folge.
(1) orf.at
(3) orf.at
Bildquelle:
Wikimedia Commons, Public Domain


