Lenzing-Werk im Burgenland steht vor der Schließung: 300 Beschäftigte betroffen
- Andrea J.
- vor 6 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Das Werk im Südburgenländischen Heiligenkreuz wird bis Ende 2026 die Faserproduktion einstellen. Erst vor einem Jahr wurde im oberösterreichischen Lenzing-Werk angekündigt, dass dort 600 Arbeitsplätze gekürzt werden. Dass es nun das gesamte Werk im Burgenland treffen soll, in einer Region, die ohnehin wenige (Industrie-)Arbeitsplätze hat, ist für die Belegschaft und die Bevölkerung in der Region ein Schock.
Konzern legt Werk still: Was mit Beschäftigten passiert ist egal?
Die Lenzing Gruppe kündigte Ende Juli an, sich vom Standort im Burgenland zu trennen. Als industrieller Leitbetrieb in der Region würde das massive Folgen haben, da ohnehin schon ein großer Teil der Bevölkerung gezwungen ist weit weg zu pendeln, oder umzuziehen. Die rund 300 Arbeiter und Angestellten erfuhren über diese Entscheidung großteils aus den Medien, oder per Newsletter-Aussendung!
Was mit den Beschäftigten nun passiert ist für Konzern offensichtlich keine wichtige Frage. Viele aus der Belegschaft arbeiten seit Jahrzehnten am Standort, die meisten seit Beginn ihrer Lehrzeit. Wo werden sie in der Region eine Arbeit finden, die ihren Qualifikationen entspricht? Darüber spricht niemand! In den Monopolmedien wird überall vor allem das wiederholt, was der Konzern selbst ausgegeben hat: Es kann ja ein neuer Eigentümer kommen, der das Werk kauft… Für die Arbeiter und Angestellten ist das aber ein schlechter Witz, denn was ist wenn das nicht so kommt, oder wenn auch trotz neuem Eigentümer zahlreiche Stellen abgebaut werden?
Heiligenkreuz ist kein Einzelfall: Industriearbeitsplätze werden überall abgebaut.
Wollsdorf Leder in Weiz (Steiermark) ist bereits in der Umsetzung der „etappenweisen“ Schließung. Von 361 Arbeitsplätzen sollen nur rund 50 erhalten bleiben und die Produktion wird nach Mexiko verlagert. Der Betrieb ist ein Zulieferer der Automobilindustrie und wie so viele andere Arbeitsplätze in dieser Branche, wird auch hier rigoros abgebaut.
ASV List, ein Industrieleitbetrieb in Graz, der bereits letztes Jahr 450 Stellen abgebaut hat, streicht nun weitere 350 Arbeitsplätze. Übrig bleiben rund 3.000 Mitarbeiter, obwohl der Produktionsstandort vor Corona noch rund 4.300 Beschäftigte zählte. Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen wird das Werk in Lebring (Steiermark) bis Ende 2027 schließen, auch hier sind mehr als 300 Beschäftigte betroffen.
Auch in Kärnten steht es schlecht um die Industriearbeitsplätze. Aus einer jüngsten Konjunkturumfrage geht hervor, dass 14 Prozent der Industriebetriebe damit rechnen, in den nächsten sechs Monaten Personal abbauen zu müssen.
Erhalt von Arbeitsplätzen kein Thema.
Ständig ist in den Monopolmedien von weiteren Kündigungen und Stellenabbau zu lesen. Der Erhalt der Arbeitsplätze hingegen ist kein Thema der „Schlagzeilen“. Von Gewerkschaftsseite hört man ohnehin nichts mehr anderes als das Schlagwort „Sozialplan“, der Kampf um die Arbeitsplätze spielt auch hier keine Rolle mehr. Damit sollen die Arbeiter und Angestellten an ein vermeintlich „naturgegebenes“ Ereignis gewöhnt werden, gegenüber welchem man scheinbar ohnmächtig wäre. Klar ist jedoch, wenn sich die Bevölkerung und die Arbeiter nicht zum Erhalt der Industriearbeitsplätze zusammenschließen, wird die Prognose der bürgerlichen Ökonomen und Industriellenvertreter auch so weitergehen: Verlagerung von Produktion ins Ausland, Stellenkürzungen bei gleichzeitiger Intensivierung der Arbeit für die noch in Beschäftigung stehenden Arbeiter, Aushöhlung des Arbeitsrechts, usw… Gleichzeitig bedeutet die Stilllegung der Industrie in den ländlichen Regionen auch, dass es für die jüngeren Generationen immer schwieriger wird, auch in diesen Regionen zu leben.
Quelle: „Es geht um unsere Existenz“; Reportage Sonntagskrone 02.08.2026, S. 24.
Bildquelle: Werksgelände Lenzing AG, C.Stadler/Bwag, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0


