Inflation: Kampf um höheren Lohn ist gerechtfertigt!

Aktualisiert: 26. Juli


Enorme Teuerungsraten belasten die Arbeiter und Angestellten, aber auch kleine Selbständige nicht nur in Österreich, sondern in weiten Teilen Europas. In Österreich liegt die offizielle Inflationsrate bei knapp unter neun Prozent. Da die Löhne nicht steigen, ist es der einschneidenste Lohverlust seit Jahrzehnten!


Mit oft lächerlichen Alibimaßnahmen (wie Einmalzahlungen) wollen sich diverse Regierungen aus der Verantwortung ziehen, das Wort Lohnerhöhungen findet man in Mainstream-Medien kaum und aus den Mündern der Herrschenden ohnehin nicht. So wie die Teuerungen als „unausweichlich“ dargestellt werden, wird auch die massive indirekte Lohnkürzung als „notwendig“ betitelt. Für die Arbeiter und Angestellten geht es jedoch darum, diesen Betrug aufzudecken und gegen die Abwertung des Lohns für ihre Arbeit zu kämpfen.


Schon seit Monaten kämpfen die Arbeiter in vielen Ländern gegen die Teuerungen. Ein besonders eindrückliches Beispiel sind die Streiks der Eisenbahner in Großbritannien, die seit Ende Juni große Teile des Landes lahmlegen. Über 40.000 Arbeiter und Angestellte beteiligten sich an den Streiks und an Demonstrationen. Eine ihrer wichtigsten Forderungen: die Anhebung der Löhne. Die Chefs der Bahnarbeiter (seit der Privatisierung von British Rail in den frühen 1990er Jahren wird der britische Bahnverkehr von mehreren privaten Gesellschaften betrieben) wollen eine maximale Lohn„erhöhung“ von drei Prozent bezahlen. Angesichts der offiziellen Teuerungsrate von knapp zehn Prozent (Tendenz steigend) bedeutet das einen sprunghaften Lohnverlust. Die Gewerkschaftsführung der RMT, welche den Streik führt, fordert acht Prozent Lohnerhöhung. Die Bahnarbeiter in Großbritannien werden damit selbst bei einer Lohnerhöhung von acht Prozent um einen Teil ihres Lohns betrogen. Es war der größte Eisenbahnerstreik in Großbritannien seit über 30 Jahren. Da sich die Unternehmer weiter gegen die Forderungen der Arbeiter stellen, werden diese zu weiteren Kampfmaßnahmen greifen. Ein nicht unwesentliches Resultat der ersten Streiktage im Juni war die Vorbildwirkung für andere Branchen: Nun streiken auch die Angestellten im öffentlichen Dienst, ebenso die Arbeiter bei der britischen Post.


Großbritannien ist nicht das einzige Beispiel, wo mithilfe von Streiks gegen eine Lohnsenkung vorgegangen wird. In der Türkei wird schon seit Monaten gegen die Folgen einer Inflation von 70% gekämpft. In Deutschland streikten nun die Hafenarbeiter der wichtigsten Häfen unter anderem für Lohnerhöhungen. In Sri Lanka, ein Land in dem die massive Inflation Versorgungsengpässe hervorgerufen hat, stürzten die Protestierenden zu Zehntausenden den Präsidenten und besetzten dessen Palast.


Betont sollte in Bezug auf die Frage der Löhne werden, dass viele Regierungen in Europa sogenannte „Preisdeckel“ für einzelne Waren oder Energieträger eingeführt haben, während Streiks für Lohnforderungen meist vehement zurückgewiesen werden. Selbst Stimmen in der ÖVP fordern nun einen Preisdeckel für Energie.


Warum ist ein „Preisdeckel“ für die Herrschenden annehmbarer, als beispielsweise Lohnerhöhungen? Die Inflation fällt nicht vom Himmel, sondern entwickelt sich aus den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus selbst (nicht ohne Grund gibt es in den letzten 70 Jahren keine Periode ohne Inflation!). Entgegen der Behauptungen der Herrschenden und ihrer Ökonomen ist es keine Frage ob ein "zu viel" an Waren und Gütern da ist. Inflation ist hauptsächlich eine Frage von Überproduktion an Kapital, eine Anhäufung von Kapital, das Investitionsmöglichkeiten sucht. Wenn Preisdeckelungen bei einzelnen Produkten eingeführt werden, erübrigen sich diese Gesetze nicht, sondern führen dazu, dass der „Ausgleich“ aus den Steuergeldern beglichen wird, oder dass die Preise dann explodieren, wenn der Preisdeckel wieder aufgehoben wird. Ein Preisdeckel kann sich auch so ausdrücken, dass in Bereichen wo kein Deckel eingeführt wird, die Preise noch rasanter ansteigen, also andere Waren noch teurer werden. Der Lohn hingegen ist jener Teil, bei dem die Kapitalisten und Unternehmer am besten „einsparen“ können, da er am meisten „flexibel“ ist. Inflation heißt Betrug an den Arbeitern und Angestellten, die um einen Teil ihres Lohnes betrogen werden. Die Lohnfrage ist somit ein Haupthebel für die unmittelbaren Forderungen der Arbeiter, diesen Betrug zurückzuschlagen und keine Senkung ihres Lebensniveaus hinzunehmen.


Doch selbst Lohnforderungen und erfolgreiche Kämpfe der Arbeiterklasse gegen diesen Betrug werden die Inflation jedoch nicht beseitigen können, denn sie ist Produkt der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Für die Arbeiter und Angestellten ist der Kampf gegen Inflation und Teuerungen deshalb eng mit dem Kampf für die sozialistische Revolution verknüpft und sie müssen auch um die politische Macht im Staat kämpfen. Ansonsten wird Inflation und Teuerung immer wieder als Instrument eingesetzt werden, um die Ausbeutung der Massen zu vertiefen.




Bildquelle: Anti-Tory demonstration in London on June 18. (Photo: via Stíofán Uí Néill), DD BY-SA 4.0 peoplesdispatch.org