Einige Mythen über die Inflation


Obwohl die Inflation eine Erscheinung ist, die es seit der Entstehung des Kapitalismus gibt, gehört sie zweifellos zu den mythenbehaftetsten. Hier möchten wir einige dieser Mythen, welche den Kampf gegen die Inflation zu verwirren versuchen aufdecken.


Die Lohn-Preis-Spirale

Die Theorie der Lohn-Preis-Spirale geht davon aus, dass eine Anhebung der Löhne die Inflation weiter antreiben würde. Wenn die Löhne nach einer Preissteigerung ebenfalls steigen, würde sich das wiederum auf die Preise niederschlagen und sich wie eine Spirale immer so weiter entwickeln. Es ist bis heute ein Argument gegen die Arbeiter und die Gewerkschaften, um Lohnforderungen und Lohnkämpfe zu verhindern.


Die Lohn-Preis-Spirale ist ökonomisch falsch, weil die Ware Arbeitskraft im Verhältnis zu dem was sie produziert immer billiger wird, denn die Arbeit wird immer produktiver und nicht unproduktiver. Die Theorie würde nur dann stimmen, wenn die Arbeit unproduktiver werden würde, also der Wert der Ware Arbeitskraft auch tatsächlich sinkt. Auch die bürgerliche Ökonomie akzeptiert, dass eine Ware im Verhältnis billiger wird, wenn sie mehr Wert schafft, also produktiver ist. Somit ist auch von dieser Seite widerlegt, dass die Arbeitskraft und ihr Preis (also der Lohn) für eine steigende Inflation verantwortlich wäre.


Die Theorie ist in zweierlei Hinsicht falsch und richtet sich gegen die Arbeiterklasse. Erstens wird damit legitimiert, warum die Arbeiter auf einen Teil ihres Lohnes verzichten sollen, obwohl dieser durch die Inflation entwertet worden ist. Zweitens wirkt dieses Argument vor allem dazu die Arbeiter von anderen Schichten wie den Kleinbesitzern zu trennen. Dass jene die bspw. aufgrund der hohen Preise kurz davor stehen in Konkurs zu gehen, gegen die Arbeiter aufgebracht werden, die trotzdem diesen Teil ihres Lohns einfordern.


„Es wurde zu viel Geld gedruckt“

Nicht selten kann man hören und lesen, dass die Inflation hauptsächlich davon kommt, dass zu viel Geld im Umlauf ist. Nun ist aber das Geld nur ein Wertausdruck der Waren. Wenn sich die Produktion erhöht und damit mehr Geldmittel in Umlauf kommen, muss das nicht zu einer Inflation führen, da vermehrte Geldmittel lediglich ausdrücken, dass es zusätzliche Waren am Markt gibt. Problematisch kann es in der kapitalistischen Produktion erst dann werden, wenn zu viel Geld im Umlauf kommt und die Produktion sinkt. Es ist also nicht die Frage ob zu viel Geld gedruckt wurde, sondern eine Frage der Produktion: Wenn es mehr Produkte gibt und diese schneller ge- und verkauft werden, braucht es mehr Geld.


Preisdeckel

Die Inflation ist eine Folge von Gesetzmäßigkeiten im Kapitalismus. Wenn man die Preise deckelt, hören diese Gesetze nicht auf zu wirken. Ein Preisdeckel kann zwar kurzfristig eine Erleichterung für Teile der Bevölkerung bringen, jedoch wird es die Inflation nicht beseitigen oder stoppen. Wenn ein Preisdeckel wieder aufgehoben wird, dann kann es sein, dass die Preise danach explodieren. Ebenfalls kann sich der Preisdeckel für gewisse Waren so auswirken, dass sich die Teuerungen verlagern, also in anderen Bereichen schneller und stärker ausdrücken. Beispielsweise ein Deckel der Strompreise könnte als Folge die vermehrte Steigerung der Ölpreise nach sich ziehen.




Bildquelle: this is stacks of money, by geralt, CC0 1.0