Familienbonus – harte Kritik nach „Neuauflage“

Aktualisiert: 13. Jan.

Der seit 2019 eingeführte Familienbonus benachteiligt Familien mit geringem Einkommen deutlich. Wer von diesem Modell profitieren will, muss gut verdienen.


Der Familienbonus (der pro Kind vergeben wird) ist nicht für jedes Kind gleich, sondern wird nach der Höhe des Einkommens und der Steuerleistung der Eltern berechnet. Je höher das Einkommen, desto mehr Geld bekommt man pro Kind – wer wenig verdient bekommt nichts für die Kinder. Eine aktuelle Studie zeigt, dass 166.000 Kinder keinen Familienbonus bekommen. Gerade jetzt in der Krise wird immer deutlicher, dass die Herrschenden nichts übrig haben für die „kleinen Leute“, denn die Höhe des Familienbonus hat sich in Zeiten von Kurzarbeit und hoher Arbeitslosigkeit für die davon Betroffenen ebenfalls reduziert. Dabei würden gerade jene Familien, die von Einkommenseinbußen am meisten betroffen sind, diese Unterstützung am dringendsten benötigen. Das stürzt immer mehr Familien in die Armut. Mieten werden teurer, ja beinahe unbezahlbar, die Lebensmittelpreise steigen ebenso wie die Energiepreise. Die Löhne werden trotz der massiven Teuerungen nicht entsprechend angepasst. Die größte Sauerei ist jedoch, dass die, die von der Krise am stärksten getroffen wurden, auch noch etwas zurückzahlen müssen! Doch anstatt durch die Reform des Familienbonus der Kurz-Kogler-Regierung diese Absurditäten von Rückzahlungsaufforderungen und Lohnverlust zu ändern, wird es noch schlimmer für ärmere Familien. Die Kosten für den Familienbonus, in Summe fast zwei Milliarden Euro, tragen gerade jene Familien mit geringem Einkommen als KonsumentInnen genauso mit, und bekommen selbst fast nichts bis gar nichts ausbezahlt.


Völlig ausgeschlossen vom Familienbonus sind jene, die nichts verdienen, Mindestsicherung beziehen oder auf Jobsuche sind. Einzige Ausnahme sind AlleinverdienerInnen, die unabhängig von ihrem Einkommen 350 Euro pro Kind beantragen können. Im Jahr 2020 lebten in Österreich 370.000 Kinder in Armut, oder sind von Armut bedroht. Das heißt nicht nur schlechtere Versorgung und Bildungsmöglichkeiten, sondern auch schlechtere Hygiene und Gesundheit! Keine Teilnahmemöglichkeit am sozialen Leben, welches aber gerade für Kinder von enormer Wichtigkeit ist, teilweise ein Leben in kalten und beengtem Wohnraum und schlechte Ernährung. Das wird auch Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit der Kinder und Jugendlichen haben. Der Familienbonus trägt in seiner derzeitigen Form neben anderen Gründen zur Erhöhung von Armut und zur Ausweitung von Kinderarmut bei.


Diese „Reformen“ zeigen, dass es den Machthabern nicht darum geht, „gleiche Chancen“ für alle Kinder zu garantieren. Im Gegenteil, es wird nur in jene Kinder „investiert“, welche die Wirtschaft als Fachkräfte oder Akademiker braucht. Als eine erste Maßnahme für die Entlastung der Familien wäre eine kostenlose Kinderbetreuung (auch die Nachmittagbetreuung) ein Hebel, um sowohl Berufstätigkeit für Frauen zu ermöglichen, als auch die finanzielle Belastung für Familien zu senken.