„Woche der Märtyrer“: indische Medien in heller Aufregung.


Vom 27. Juli bis zum 3. August wurde international die alljährliche „Woche der Märtyrer“ der indischen Revolution gefeiert (wir berichteten hier und hier). Die Monopolmedien in Österreich scheren sich im allgemeinen nicht einmal darum, zu alltäglichen Anlässen über Indien zu berichten. Die indischen Medienberichte lassen aber ein Bild von Aktivitäten und Feierlichkeiten in riesigem Ausmaß entstehen. Diese möchten wir hier zusammenfassen.


Die „Woche der Märtyrer“ wird von den Herrschenden in Indien als „Bedrohung“ sehr ernst genommen. Bereits im Vorhinein berichteten alle indischen Monopolmedien, dass die „Sicherheitskräfte“ in höchste Bereitschaft versetzt wären. Die Kommunistische Partei Indiens (Maoistisch) wird von den Herrschenden in Indien seit über einem Jahrzehnt als „größte Bedrohung der inneren Sicherheit“ bezeichnet – seit sich die revolutionäre Bewegung wie ein Lauffeuer über riesige Teile des Landes ausgebreitet hat. In allen von der Revolution „betroffenen“ Gebieten wurde ein riesiges Polizeiaufgebot mobilisiert. Damit wollen die Herrschenden ihre Macht demonstrieren. Die Ergebnisse sprechen aber sicher nicht für ihre Stärke.


Die Verwaltung vom Bezirk Bastar im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh, einer „Hochburg“ der revolutionären Bewegung, wurde von den Herrschenden aus Angst selbst lahmgelegt. Der angebliche „Terror“ wäre „sichtbar in der Gegend, wo Betreiber von Buslinien – das hauptsächliche Transportmittel in Bastar – die Straßen [in diesem Zeitraum] nicht befahren haben. … Die Eisenbahn hat ebenfalls die Verbindung des einzigen Passagierzugs (Waltair-Kirandul Passagiere) eingestellt. Der nächtliche Betrieb von Warentransportzügen wurde auch in diesem Bereich eingestellt. … Über die letzten zwei Jahrzehnte haben die Maoisten eine Parallel-Administration in Bastar aufgebaut, obwohl die staatliche Administration das bestreitet.“ (1)


Der Zeitungsbericht vermeidet es, diese zwei Administrationen miteinander zu vergleichen. Aber es ist eine Tatsache, dass in den Gebieten der Revolution der Raub von Ressourcen und Land durch ausländische Monopolkonzerne unterbunden wurde und die Macht des Volkes erkämpft wird. In diesen Gebieten müssen die armen Bauern nicht wie früher hohe Pacht zahlen oder sich gar als Leibeigene verdingen. Durch eigenständige Produktion vor allem in der Landwirtschaft hat sich die Situation der Dörfer dort vielerorts stark verbessert. Das hindufaschistische Kastensystem, das nach wie vor Realität ist, wurde dort abgeschafft. Im Gegensatz zu allen oben zitierten Behauptungen führen die „Maoisten“ auch keine Attacken auf die Transportmittel der „normalen“ Bevölkerung durch, sondern auf Polizeiconvois, auf Politiker, die in Gebiete reisen, die für den nächsten günstigen Deal mit Monsanto oder Tata Oil entvölkert werden sollen, oder auf Maschinen, die für Raubbergbau und Waldrodung verwendet werden. Der Schaden für die Bevölkerung scheint bei näherer Betrachtung also nicht von der Revolution, sondern der alten Administration auszugehen.


Trotz aller Polizeiaufgebote fanden in der „Woche der Märtyrer“ eine Reihe von Mobilisationsaktionen statt. Hier einige Berichte aus den Monopolmedien Indiens:


„Banner und Poster wurden in verschiedenen Gebieten im West-Singhbhum-Bezirk im Bundesstaat Jharkhand gefunden. In den Bannern grüßen die Maoisten alle Märtyrer mit ‚Lal Salaam‘ [das heißt so viel wie ‚Roter Gruß‘ - Anm.] Die Poster wurden gegen die Polizei geschrieben, und fordern auf, die Aufopferung der Märtyrer hochzuhalten.“


„Einige Poster und Flugblätter die Angaben zufolge von der KPI(Maoistisch) hinterlassen wurden, wurden von Dorfbewohnern im Bezirk Muglu im Bundesstaat Telangana gefunden, die im Namen des Komitees des Bundesstaats Telangana gezeichnet sind“


„‚In Erinnerung an Genossen Charu Mazumdar und Genossen Kanhaya Chatterjee, rufen wir die Massen auf die Ideale, für die unsere Genossen ihre Leben niedergelegt haben zu respektieren. Organisiert Treffen in den Dörfern und bringt die Botschaft unserer gefallenen Genossen zum Volk‘, das war auf einem Banner, das die Maoisten nahe der Stadt Bacheli im Bundesstaat Dantewada aufgestellt haben zu lesen. Das Banner der Maoisten rief das Volk auch dazu auf sich ‚nicht mehr der Polizei zu ergeben und in Würde zu leben.‘“ (2)


Charu Mazumdar und Kanhaya Chatterjee waren in diesem Land, in dem ein siebtel der Erdbevölkerung von grundlegendsten demokratischen Rechten ausgeschlossen ist und unter grausamster Ausbeutung und Armut leben, die Begründer der heutigen revolutionären Bewegung. Das ist der Grund warum ihnen bis heute großer Respekt von Revolutionären, aber auch Demokraten im ganzen Land gezollt wird. Umso mehr, weil beide deswegen gefoltert und ermordet wurden.


Die Feierlichkeiten werden vor allem auch für die Ehrung jener Kommunisten und Revolutionäre durchgeführt, die erst in jüngster Zeit ihr Leben gegeben haben. So die „Zentralkomitee-Mitglieder“ wie Tapan da, Chintan da, Amber da und Saket da, die im letzten Jahr alle an Krankheit gestorben sind, und Milind Teltumbde, der in einem Gefecht in Gadchiroli in Maharashtra gefallen ist.“ Selbst im Verlauf dieser Woche sind weitere getötet worden: „Rakesh Madkam, ein ‚Kommandant‘ der KPI(Maoistisch) wurde niedergeschossen in einem Gefecht im Bezirk Sukma im Bundesstaat Chhattisgarh.“ (2)


Wenn aber, wie vom indischen Staat behauptet, die revolutionäre Bewegung ausschließlich Rückschläge erleiden würde, wie sind dann Meldungen wie die Folgende erklä„Banner und Flugblätter wurden in der Region Sonewani verteilt, in denen aufgerufen wurde die „Woche der Märtyrer“ abzuhalten. Es sind allerdings keine Informationen über die Anwesenheit von Maoisten in dieser Gegend bekannt. Intensive Patrouillen werden durchgeführt um die Situation zu überwachen, und die Sicherheit in der Region ist verstärkt worden.“ (2)


Insgesamt endeten die enorme Polizeipräsenz und die Einschüchterungsversuche der staatlichen Kräfte während der „Woche der Märtyrer“ in einer peinlichen Niederlage:

„Kader der Kommunistischen Partei Indiens (Maoistisch) gelang es eine Großveranstaltung zum Abschluss der ‘shahidi saptah’ (Woche der Märtyrer) am 3. August in der Region Bastar in Bundesstaat Chhattisgarh zu organisieren, trotz aller Überwachung und Reichweite der Sicherheitskräfte. In der Umgebung der Grenze zwischen den Bezirken Sukma und Bijapur, nahe der Grenze zum Bundesstaat Telangana, errichteten die Maoisten ein 64 Fuß hohes Denkmal für ihren ihren Führer Akkiraju Haragopal, auch bekannt unter dem Namen Ramakrishna, der im Oktober 2021 gestorben ist, und andere toten Führer. Laut lokaler Quellen haben 10,000 – 12,000 Dorfbewohner an der Veranstaltung teilgenommen, das ebenfalls von höchstrangigen Kadern der Maoisten aus Telangana besucht war, auf die ein Kopfgeld ausgeschrieben ist.“ (2)


Andere Medien berichteten aufgeregt: „Es ist bekannt geworden, dass ein Denkmal für die getöteten Maoisten errichtet wurde, das angeblich das größte Denkmal gewesen sein soll, das sie jemals errichtet haben. Wenn das wahr ist, wirft das Fragen über die Behauptungen der Sicherheitskräfte bezüglich der Vernichtung der Maoisten auf. Wenn die Maoisten wirklich so in der Defensive wären, wie konnten sie dann ein großes öffentliches Treffen an der Grenze zu Bastar während der Woche der Märtyrer abhalten? … Die Polizei beider dieser Bundesstaaten behauptet dass die Maoisten auf manche Gegenden beschränkt wären. Trotz dem wurden an der Grenze zwischen den Bundesstaaten zahlreiche Lager der Sicherheitskräfte eröffnet. Das Aufklärungsteam der Polizei arbeitet ebenfalls in den Dörfern. Die Polizei spricht ebenfalls darüber, dieses Informationssystem zu verstärken. Wie konnten trotz all dem zahlreiche Maoisten, einschließlich ihre obersten Führer, bewaffnet mit modernen Waffen, die Grenze zwischen den Bundesstaaten überqueren und das Treffen erreichen?“ (3)


Während die Herrschenden in Indien mit großer Gewaltanwendung einzuschüchtern versuchen, und behaupten, die Revolution sei „eh schon fast geschlagen“, zeichnet Berichterstattungen wie diese ein völlig anderes Bild. Trotz der hohen Bereitschaft und dem starken Polizeiaufgebot, trotz der Militarisierung mit Polizeistützpunkten, trotz des offensichtlich ausgebauten Informanten-Netzwerks ist der Einfluss des indischen Staats in den revolutionären Gebieten stark geschwächt. Offensichtlich ist die revolutionäre Bewegung insbesondere innerhalb der Bevölkerung von Bastar sehr tief verankert. Denn nicht nur wurden von tausenden Teilnehmern offenbar keine Informationen über die Feier weitergegeben, sondern auch die wütenden Drohgebärden der „Sicherheitskräfte“ haben nicht zur Einschüchterung der Bevölkerung geführt. Diese Berichte liefern uns einen Beweis dafür, dass die Bevölkerung sich auch heute erfolgreich gegen ihre Unterdrücker wehren und für die Macht des Volkes kämpfen kann.



Hier ein Youtube-Video von der Feierlichkeit:





(1)https://www.business-standard.com/article/news-ians/maoists-martyrs-week-hits-life-in-chhattisgarh-s-bastar-113073001251_1.html

(2)Alle: Satp.org – „Timeline“ für Juli/August 2022

(3)https://www.etvbharat.com/english/national/bharat/top-maoists-attend-martyrs-week-organised-at-bastar-telangana-border-area/na20220807100035459459346