Wien: Rettung bringt 90-jährige wegen Fieber nicht ins Spital

Aktualisiert: 9. Juni

(Korrespondenz)


Meine Großmutter konnte bis vor einer Woche trotz vielen Beschwerden noch alleine in ihrer Wohung leben. Letzte Woche ging es ihr jedoch so schlecht, dass sie selbstständig die Rettung verständigte, damit diese sie ins Spital bringe. Doch da wurde sie böse überrascht: Da sie über 38 Grad Fieber hatte, wurde sie von der Rettung nicht mitgenommen - wegen „Corona-Gefahr“! Und das, obwohl meine Großmutter doppelt geimpft ist und mit niemandem außer ihrer Familie Kontakt hat. Sie hat dann den Notarzt verständigt (der ab 19 Uhr zu erreichen ist), dieser hatte jedoch so viel zu tun, dass er die ganze Nacht keine Zeit fand zu kommen. Am nächsten Morgen war meine Großmutter so schwach, dass sie beim Aufstehen in der Früh niedergefallen ist. Resultat: Oberschenkelhalsbruch und Leistenbruch!


Wir haben sie erst drei Studen nach dem Sturz gefunden, wo sie schon gar nicht mehr bei Bewusstsein war. Natürlich haben wir sofort die Rettung verständigt, die sie dann ins Spital gebracht hat. Bei so alten Menschen wie meiner Großmutter werden Brüche aber nicht mehr behandelt, da sie dafür schon zu schwach ist. Sie wird nun eine rund um die Uhr Plege benötigen oder ins Pflegeheim müssen, das was sie in ihrem Leben nie wollte.


Was die größte Frechheit bei der ganzen Sache ist, dass das alles hätte verhindert werden können, wenn die Rettung sie ins Spital gebracht hätte. Seit eineinhalb Jahren heißt es von Seiten der Politik, die ganzen Maßnahmen wären notwendig um die gefährdeten Gruppen der Gesellschaft zu schützen, besonders die älteren Menschen. Doch meine Großmutter ist ein trauriges Beispiel dafür, dass es gerade die älteren Leute sind, die derzeit immer öfter auf der Strecke bleiben…


Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:GuentherZ_2013-05-22_00494_Wien09_WaehringerGuertel_Rettungstunnel_AKH.JPG




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