Milano (Italien): Solidarität mit den Volkskämpfen Indien


Die Volkskämpfe in Indien nehmen von Jahr zu Jahr zu, was auch in Europa nicht unbemerkt bleibt. So fand Ende Jänner eine Kundgebung in Milano (Italien) statt, die sich gegen die hindufaschistische Modi-Regierung und die militärischen Kampagnen wie „Operation Prahar 3“ stellte. Die Rote Fahne war vor Ort.


Die Kundgebung wurde unter anderem von der italienischen Basisgewerkschaft „Slai Cobas“ sowie von „Sikh Youth Italy“ organisiert. Neben indischen Arbeitern und Migranten, beteiligten sich auch italienische Arbeiter und antiimperialistische Aktivisten. Den verschiedenen Reden und Statements war eines gemeinsam: die Ablehnung der derzeitigen Regierung und des indischen Präsidenten Modi.


Im vergangenen Jahr fanden überwältigende Proteste der indischen Bauern statt, die „Farmers Protests“. Diese Proteste richteten sich gegen eine wirtschaftsliberale Öffnung der indischen Agrarmärkte. Die „Drei Agrarerlässen“, (drei Gesetze, die auf den Weg gebracht worden sind) sahen eine Liberalisierung des Verkaufs von Land und die Abschaffung des geregelten Mindestpreises für Agrarprodukte („minimum support price“, MSP) vor. Resultat dieser Gesetze wäre gewesen, dass sich ausländische Monopolkonzerne, die schon jetzt den indische Markt mit Billigprodukten überschwemmen, das Land der Kleinbauern unter den Nagel reißen würden. Die Folge davon: Ruin von hunderttausenden Bauern.


Ein Vertreter der Jugendorganisation „Sikh Youth international“ teilte seine Sicht der Volkskämpfe in Indien mit uns und wir haben sie in Form eines Kurzinterviews hier festgehalten:


Die Rote Fahne: Wie haben eure Proteste begonnen?

Die Bewegung hat letztes Jahr begonnen, als die Bauern in Indien die Proteste gegen Modi gestartet haben. Auslöser waren die drei Landwirtschaftsgesetze, die beschlossen werden sollten. Das war der Punkt an dem wir mit unserem Protest begonnen haben, in Solidarität mit den „Farmers Protests“. Das ist heute unser zehnter Protest.


Die Rote Fahne: Was haben die „Farmers Protests“ verändert?

Die „Farmers Protests“ sind sehr energetische Proteste, die auf der ganzen Welt zu Demonstrationen geführt haben. Gleichzeitig haben sie der ganzen Welt gezeigt, dass das Volk mit Protest beeinflussen kann, was die Regierungen tun. Das ist auch der Grund warum wir unseren Solidaritätsprotest weitergeführt haben. Menschenrechte sind eine prinzipielle Sache, die die Menschen zusammenhalten.


Die Rote Fahne: Was wäre die Folge der „Drei Farmererlässe?“

Du kannst den Menschen nicht einfach Arbeit wegnehmen, ohne ihnen etwas zu geben. So wie die Situation ist, würden die Bauern einzig und allein ihre Rechte verlieren. Nur einige Wenige würden davon profitieren. Das ist nicht nur meine Meinung.


Die Rote Fahne: Die „Farmers Protests“ haben einen Sieg errungen, die „Drei Farmererlässe“ sind weg. Sorgt das bei euch für Freude?

Ja, aber es ist wichtig, dass wir verstehen, dass das nur eine Schlacht war. Damit ist der Krieg nicht gewonnen. Wir werden weiter protestieren müssen.


„Sikh Youth Italy“ hat die Aufgabe übernommen, die Solidarität in Italien zu verbreiten. 170.000 indische Migranten leben in Italien und sehr viele von ihnen kommen aus Punjab, wo die Proteste stattfinden. Von ihnen gehören viele der Sikh-Nationalität an, was die Verbundenheit mit den Protesten noch verstärkte. Die Sikhs sind durch den Hindufaschismus unterdrückt, und ihnen wird jedes Recht auf nationale Selbstbestimmung genommen. Es gibt zahlreiche ähnliche Kämpfe von unterdrückten Nationalitäten in ganz Indien, was ein wichtiger Teil des Befreiungskampfes in Indien ist. Während in den 80er Jahren ein Genozid an den Sikhs verübt wurde, hat sich gerade in jüngster Zeit die Unterdrückung und Verfolgung der nationalen Sikh-Bewegung durch die Modi-Regierung verstärkt. Folter und Mord sind für politische Gefangene der Sikhs an der Tagesordnung. Insofern war es ein Höhepunkt der Demonstration, als mehrere Fotos des indischen Premierministers Narendra Modi auf der Demonstration symbolisch verbrannt wurden.


Vertreter der italienischen Basisgewerkschaft „Slai Cobas“ und des italienischen „Komitees zur Unterstützung des Volkskrieg in Indien“ verurteilten in Redebeiträgen die gerade stattfindende repressive Kampagne „Operation Prahaar-3“, die gegen die revolutionäre Bewegung in Indien gerichtet ist. Mit Militärgewalt und Terror gehen die Herrschenden bereits seit Jahrzehnten gegen die widerständigen Teile der Bevölkerung vor. Die revolutionäre Bewegung ist gut organisiert und hat Teile des Landes der Kontrolle der Herrschenden entrissen. Dieselben Monopole, gegen die die Bauernproteste sich richten, können die Rohstoffe und Arbeitskräfte in diesen Gebieten nicht mehr länger ausbeuten. Für sie ist die Rückeroberung dieser Gebiete von enormen wirtschaftlichen Interesse. Wie es der bekannte politische Gefangene und Revolutionär G.N. Saibaba sagte: „Der anti-feudale und anti-imperialistische Kampf … und die revolutionäre Bewegung … [sind] miteinander verwandt und verflochten.“


Der Widerstand gegen die „Operation Prahaar-3“ geht weiter, genauso wie die Volkskämpfe in Indien. Für den 28. März ist in Indien ein Generalstreik angekündigt, wobei zu ergänzen ist, dass der letzte Generalstreik mit über 250 Millionen den Rekord des größten Streiks der Menschheitsgeschichte gebrochen hat(der zuletzt im Vorjahr gesetzt wurde, ebenfalls in Indien).