Linz: Rebellion ist und bleibt gerechtfertigt!

Korrespondenz aus einem Viertel in Linz



Nach den Ausschreitungen zu Halloween gibt es unter der Linzer Bevölkerung viel Diskussion, das widerspiegelt sich auch im Viertel. Dabei gibt es eine Menge Ausreden und Argumente, diese Jugendliche zu verurteilen, eine Menge „Kritiker“ treten hervor, besonders unter sogenannten „links-liberalen“ und Sozialdemokraten.


Viele verurteilen diese Ausschreitungen offen, sehen sie als „sinnlose Gewalt“, die zudem das Leben des „normalen Bürgers“ beeinträchtige (immerhin, das muss man sich vorstellen, fuhr die Straßenbahn erst gegen 2:00 morgens wieder). Sie fordern Strafen, damit diese Jugendlichen auch was lernen würden. Das sind mitunter die gleichen, die sich gegen Zeltlager aussprechen, weil diese menschenunwürdig sind. Wer aber in welchem Maße „Menschenwürde“ verdiene, hänge wohl vom Verhalten des einzelnen Individuums ab. Unter den Kritikern gibt es auch jene, welche diverse Klimaaktionen gut finden und unterstützen. Sitzblockaden, Demonstrationen, Verursachung von Staus… im Namen des Umweltschutzes ist demnach gut, Kämpfe mit der Polizei, welche eine kurzfristige Verkehrsbehinderung bedeuten und dem einen oder anderen Bürger einen Schrecken einjagen, hingegen nicht. Nein, diese seien zu viel. Zudem haben sie auch gar keine politische Botschaft… so die Kritiker. Sie gestehen schon ein, dass es Missstände gibt, dass es Rassismus gibt, dass es Polizeigewalt gibt… diese unkontrollierte Gewalt aber, die von diesen Jugendlichen ausgeht, macht ihnen Angst, bedroht sie ihn ihrem mehr oder weniger gemütlich eingerichtetem Leben. Daher stehen sie der Staatsgewalt natürlich näher als den Jugendlichen, die sich zur Wehr setzen und rebellieren.


Andere gibt es, die sich ganz bewusst als „Linke“ verstehen und sich nun in einer großen Ratlosigkeit wiederfinden. Während Jugendrevolten in Frankreich, Griechenland oder Schweden abgefeiert wurden, wird sich zu den Ausschreitungen in Linz kaum geäußert. Was soll man davon halten? War das einfach eine aus dem Ruder gelaufene Party, gewaltbereite Jugendliche, die keinen Unterscheide zwischen Volk und Polizei machen, oder doch eine Äußerung von Rebellion? Klar, wird gesagt, dass diese Jugendlichen einmal explodieren, haben sie doch keine Perspektive und sind täglicher Repression ausgesetzt. Das wars dann aber auch schon wieder und im Stillen wird daran festgehalten, dass eine bessere ökonomische Lage auch die Bevölkerung befrieden werde.


Beides hat mit linker Politik und Haltung nichts zu tun. Es sind pseudo-liberale und sozialdemokratische Positionen, die der richtigen Losung „Rebellion ist gerechtfertigt“ immer entgegenstehen. Denn um die Bedeutung der Rebellion zu verstehen, mit all ihren schönen und unschönen Blüten die sie hervorbringt, braucht es die Perspektive der Revolution. Sicher, wo anders, weit weg, in Frankreich beispielsweise, wo alles radikaler ist als sonst wo, da ist es leicht zu schreien „Rebellion ist gerechtfertigt“, vor der eigenen Haustüre verhält es sich offensichtlich anders. Dass die Ausschreitungen unter den Herrschenden und ihren Medien einen Aufschrei der Empörung und Forderungen nach mehr Repression und Überwachung mit sich ziehen, das überrascht heute niemanden mehr. Die Reaktionen so mancher selbst-erklärter „Linker“ und „Demokraten“, zeigt aber gut, wie weit sie von einer revolutionären Perspektive entfernt sind.



Bildquelle: Revolution, Clker-Free-Vektor-Images, Pixabay



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