Lieferengpässe und Chipmangel: Arbeitsrechte werden abgebaut!


Vermehrt gibt es wieder Meldungen über Lieferprobleme, Engpässe und Mangel an diversen Waren. Diesmal sei die Omikron-Variante der Übeltäter, zu zahlen haben aber die Arbeiter: durch Aushöhlung des Arbeitsrechts, über Kurzarbeit, Jobverlust bis zu immensen Förderungen für Konzerne die über Steuern finanziert werden.


Bereits im Vormonat waren an die 150.000 Seeleute weltweit mit Flugzeugen unterwegs, um KollegInnen abzulösen. Die Rotation der Mannschaften sei aktuell das größte Problem. So gäbe es viele unterschiedliche Bestimmungen was Einreise betrifft. Die Schiffsfahrtgesellschaften fordern von den Regierungen, dass Seeleute als Schlüsselkräfte anerkannt und von Reisebeschränkungen ausgenommen werden müssen. Sie sehen sich in der „Zwickmühle“, einerseits werden sie durch die Maßnahmen der Regierungen aufgehalten, andererseits aber fordern die Regierungen, dass der Güterverkehr aufrecht bleibt. (vgl. orf.at)


Gleichzeitig sind es die Seeleute, die Frachtschiffsarbeiter, die drauf zahlen. Im Vorjahr haben laut Internationaler Schifffahrtskammer 400.000 Seeleute über Monate hinweg über ihre Vertragslaufzeit hinaus arbeiten müssen, da die Besatzungen nicht ausgetauscht werden konnten. Im Dezember gab es zudem etwa 200.000 Seeleute die „gestrandet“ waren und ihre Heimreise wegen der Arbeit nicht mehr antreten konnten. (vgl. orf.at) Damit wurde nicht einfach auf die Pandemie reagiert, damit wurden Arbeits- und Freiheitsrechte ausgehebelt!


Ganz ähnlich in der Autoindustrie. Wegen der sogenannten „Chip-Krise“, den Lieferengpässen in der Autoindustrie, waren im vergangenen Jahr erneut tausende Beschäftigte in Kurzarbeit, oder wurden kurzerhand verlagert. Bei BMW Steyr, so wurde der Roten Fahne berichtet, wurden dabei auch temporär Arbeitskräfte nach Deutschland verlagert. Auch wurden im Sommer Beschäftigte zur Kurzarbeit angemeldet. Bei MAN-Steyr (jetzt Steyr Automotive), wurde die Belegschaft mit der Begründung von Lieferengpässen zur Kurzarbeit angemeldet, unmittelbar nachdem die neuen schlechteren Arbeitsverträge in Kraft getreten sind.


Während diese Konzerne von Kurzarbeit profitieren (welche sich die Beschäftigten über die Steuern ohnehin selber zahlen), bekommen sie auch noch Förderungen, Zuschüsse und, wie im Fall Siegfried Wolf „Steuerbegünstigungen“ in den Rachen gestopft. Das Industriemagazin titelte am 12. Jänner: „BMW schaffte trotz Chipkrise Absatzrekord“ (2). Kein Wunder, wurde doch durch „Flexibilisierung“ der Gewinn gesteigert.


Lieferengpässe und Mangel an diversen Gütern sind keine „naturgegebenen“ Folgen der Pandemie, sehr wohl aber ein Resultat der Politik der Herrschenden. Dass Arbeitsrechte ausgehebelt werden, Kurzarbeit zum „Normalzustand“ bei Engpässen wird, sind ebenfalls keine Fragen der Pandemie, sondern der Politik. Dass heute den Kapitalisten soviel durchgeht, zeigt dabei deutlich, wie stark ihre „Interessenvertretung“ ist, wie sehr der Staat und die verschiedenen Regierungen mit ihnen verschmolzen sind. Egal ob Lieferengpässe, Chipmangel etc…, so wenig wie der Gewinn den Arbeitern zu Gute kommt (siehe MAN als bestes Beispiel), so wenig hat es die Arbeiter zu Interessieren, was die Probleme der Kapitalisten sind. Eine starke, bewusste Arbeiterbewegung hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie in „guten wie in schlechten Zeiten“ für die Interessen der Arbeiter einsteht, ganz gegen das alte Märchen von „wir sitzen alle im selben Boot“.



(1) orf.at: „Gestrandet“. Omikron setzt Frachtschifffahrt zu (26. Dezember 2021)

(2) industreimagazin.at: BMW schaffte trotz Chipkrise Absatzrekord. (12. Jänner 2022)


Bildquelle: Victoria Quay by Gnangarra, CC BY 2.5 AU