Karl Steinhardt – Ein klassenbewusster Wiener Arbeiter der ersten Stunde


Heute, am 21. Jänner, jährt sich der Todestag von Karl Steinhardt zum 59. Mal – ein Leben, das die Geschichte der österreichischen und internationalen Arbeiterbewegung prägte.


Seine 87 Lebensjahre zeugen von politischen Höhepunkten, Ereignissen und Errungenschaften, die der österreichischen und auch der internationalen Arbeiterbewegung einen Wendepunkt brachten. Das Leben von Karl Steinhardt ist ein Zeugnis der frühen österreichischen Arbeiterbewegung und er selber war Teil der fortschrittlichsten Kräfte in ihr. Er war Teilnehmer an der allerersten Mai-Demonstration der Wiener Arbeiterschaft, Teilnehmer am Buchdruckerstreik 1891, Gründer der Kommunistischen Partei Österreichs und ein Mitgründer der Kommunistischen Internationale 1919. Das sind „nur“ einige der Meilensteine aus dem Leben des Karl Steinhardt.


Schon mit seinen jungen 15 Jahren war er in der Arbeiterbewegung organisiert. Der Grund sich der organisierten Arbeiterbewegung anzuschließen, war ein sehr bedeutender: Karl Steinhardt nahm an der ersten Mai-Demonstration im Jahr 1980 in Wien teil. Das erste Mal wurde in Wien, sowie auch in anderen Teilen Österreich und International, der erste Mai gefeiert. Die internationale Arbeiterklasse ging am selben Tag mit der selben Forderung, dem Kampf um den 8-Stunden-Arbeitstag, auf die Straße. Als Lehrling im Buchdruck erfuhr er dadurch schon als sehr junger Arbeiter die Repression gegen kämpfende Arbeiter. Viele Gehilfen, die an der 1.Mai-Feier 1981 teilnahmen, wurden von den Druckereien nicht mehr aufgenommen. Im Jahre 1947 hielt er fest: „Von diesem Tage an nahm ich mein Herz in die Hände und weihte es dem Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse.“ (1) Nicht nur die 1. Mai-Demonstration politisierte Karl Steinhardt, auch der Arbeitskampf als Schriftsetzer (Buchdruck) band ihn immer enger an die Ziele der Arbeiterbewegung. Nach dem Ausschluss der Gehilfen traten die Buchdrucker in den Streik. Dies führte ihn dazu, dem sozialistischen Arbeiterbildungsverein Simmering beizutreten, wo er zweiter Vorsitzender wurde. Mit Beendigung seiner Lehre ging er auf die Walz und reiste nach Oberösterreich, Tirol, aber auch nach Hamburg, Rom und Neapel. Auch im Ausland war er politisch tätig und vor allem in Gewerkschaftsorganisationen aktiv und gründete solche, wo es keine gab. In Hamburg gründete er Vereine und wurde auch stellvertretender Redakteur des Parteiblattes in Bremen. Auf Grund der Beteiligung am Hamburger Aufstand 1923 wurde er verhaftet und als „lästiger Ausländer“ des Landes verwiesen. Auf seinen Reisen lernte er viele Menschen kennen, vor allem organisierte Arbeiter, so auch Bolschewiken (russische Kommunisten). Er lernte viel über den Marxismus und nahm auch an zahlreichen Studienkreisen teil. Zurück in Wien bemerkte er die Veränderung der Sozialistischen Partei, vor allem auch im Hinblick auf die Unterstützung der Kriegspolitik durch führende Sozialdemokraten. Er scheute nie seine Kritik zu äußern und so wurde er von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs (SDAPÖ) im Jahre 1916 ausgeschlossen.


Die revolutionären Ereignisse aus Russland im Jahr 1917 und die Oktoberrevolution hatten großen Einfluss auf die österreichische Arbeiterbewegung. Viele erkannten, dass der Weg über Reformen, die die SDAPÖ eingeschlagen hatte, keine Verbesserung für die Arbeiter bringen würde. Eine Gruppe, in der auch Karl Steinhardt war, grenzte sich von der Partei ab und erkannten mit dem Beispiel der Oktoberrevolution, dass es etwas anderes braucht als Reformen, um gegen imperialistischen Krieg und die Befreiung der Arbeiterklasse zu kämpfen. Die Gruppe um Steinhardt schloss sich zusammen und gründete am 3. November 1918 die Kommunistische Partei Österreichs. Sie ist somit die drittälteste Kommunistische Partei der Welt. Karl Steinhardt wurde Mitglied des Parteisekretariats und war für die Redaktion des Weckrufs (2) zuständig. Als wohl eines der prominentesten Ereignisse, mit welchem Karl Steinhardt in die österreichische Geschichte eingeschrieben wurde, ist die Proklamation der Republik am 12. November 1918. Als die Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung den Beschluss der Republik verkündeten und die rot-weiß-rote Fahne aufgezogen wurde, rissen Mitglieder der Roten Garde den weißen Streifen heraus und hissten die Rote Fahne als Zeichen des Protests gegen die bürgerliche Regierung. Daraufhin wurde von Karl Steinhardt die Proklamation der Partei mit der Forderung nach einer Arbeiter- und Bauernregierung verlesen. Er und andere wurden verhaftet, jedoch auf Druck der Soldatenräte nach zwei Wochen wieder freigelassen. Ein paar Monate später, im Februar 1919, wurde der erste Parteitag der KPÖ begangen. Karl Steinhardt wurde beauftragt als Delegierter zum Gründungskongress der der Kommunistischen Internationale in Russland zu reisen. So schrieb er gemeinsam mit Lenin und anderen Kommunisten die politische Resolution für die Gründungskonferenz. Karl Steinhardt ist daher auch ein wichtiger Teil der internationalen Arbeiterbewegung.


Danach ging er nach Deutschland, um die dortige Kommunistische Partei zu unterstützen, weshalb er wiederum im Jahre 1925 des Landes verwiesen wurde. Danach war er bis 1945 in der KPÖ als Referent und Organisator tätig. Während des Austrofaschismus war er hauptsächlich in der illegalen Gewerkschaftsbewegung aktiv und bis 1938 Funktionär in der Mietervereinigung. Während des Nazi-Faschismus war er laufend dem Gestapo-Terror ausgeliefert. Zwischen 1938 und 1945 fanden mehrere Hausdurchsuchungen statt und er wurde zwei Mal in Untersuchungshaft gesteckt. Nach dem Sieg über den Faschismus durch die Rote Armee im Jahre 1945, wurde Karl Steinhardt mit knapp 70 Jahren Vizebürgermeister von Wien und Stadtrat für Wohlfahrtswesen. Nach dem Krieg lag vieles in Trümmern und so wurden unter seiner Leitung bis Februar 1946 im Rahmen der Kinderfürsorge 217 Kindergärten, 56 Horte, zehn Krabbelstuben und 63 Mutterberatungsstellen in Betrieb gesetzt. Ein Schwerpunkt seiner Aktivitäten war unter anderem auch die Ausforschung und Heimbringung von knapp 9.000 Kindern, die von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt verschleppt worden waren. Zudem kümmerte er sich auch um den Abtransport, Unterbringung und Versorgung der Heimkehrer aus den Konzentrationslagern, Gefängnissen und Zuchthäusern. Ein weiteres wichtiges Interesse von Karl Steinhardt war das kulturelle Leben und die Kulturpolitik. Nach 1945 vertrat er vehement die Demokratisierung des Kulturlebens und er setzte sich für eine leistbare Teilnahme an der Kultur für die Arbeiterklasse und das Volk ein.


Das Leben von Karl Steinhardt war voller wichtiger Ereignisse und brachte viele bedeutende Errungenschaften, nicht nur für die Wiener Arbeiterschaft, auch für die österreichische und internationale Arbeiterbewegung.


"Feier zu 100 Jahre KPÖ. Karl Steinhardt war deren Gründer."



(1) Erinnerungen an den 1. Mai. Von Vizebürgermeister a.D. Karl Steinhardt, in: Stimme der Frau, Nr. 17, 26.4.1947, S. 4 (2) Zentralorgan der KPÖ


Quelle: Karl Steinhardt – Lebenserinnerungen eines Wiener Arbeiters, Alfred Klahr Gesellschaft