Brasilien: Neues Bauerncamp wird von 3.000 Militärs geräumt!

Aktualisiert: 13. Jan.

Die Liga der Armen Bauern (LCP) hat wieder einen Großgrundbesitz im brasilianischen Bundesstaat Rondonia besetzt. Das Camp Tiago dos Santos, das an Fläche sogar das berühmte Camp von Santa Elina übertrifft, wurde ab dem 16. Oktober mit derselben brutalen Politik der Räumung durch das Militär heimgesucht. Die Militärpolizei berichtete von einem Einsatz mit 3.000 Soldaten aus verschiedenen Militäreinheiten. Diese Streitkräfte errichteten eine Umzingelung um das Camp, um die Bewegung der Bauern zu kontrollieren, sowie die Zufuhr an Lebensmittel zu verhindern. Der Einsatz von Militärhubschraubern macht das Ziel klar: die Räumung des Camps soll mit allen möglichen Mitteln erreicht werden.


Das Militär umzingelt das Camp.

Die Bauern im Camp hatten den ersten Einschüchterungsversuchen von Seiten des Militärs getrotzt und das Camp trotz Einsatz von Pfefferspray und Schlägen erfolgreich verteidigt. Das Militär versuchte aber das Camp mit Zuckerbrot und Peitsche zu teilen, nämlich indem sie den Bauern Unterkünfte versprachen, wenn sie das Camp verlassen, oder der Gewalt der Streitkräfte ausgesetzt zu werden, wenn sie bleiben.


Es gibt mittlerweile schon Berichte von Bauern, die nach Räumungen in diese „Unterkünften“ gebracht wurden. Es handelt sich bei den „Unterkünften“ um öffentliche Schulen, die weder Küche noch genügend Schlafplätze besitzen. Der Präsenzunterricht der Schule soll zusätzlich in Kürze beginnen, was die Bauern in die Obdachlosigkeit zwingen wird. Doch auch diese Bauern organisierten sich in den Schulen und machten erste Aktionen, bei denen sie ihre Forderungen nach Essen und anderen Produkten geltend machten, sowie für die Einhaltung des Versprechens einer Unterkunft durch die Herrschenden protestierten.


Links: Eine Zerstörte Hütte des Camps. / Rechts: Fehlgeschlagene Räumung.

Die bereits stattgefundenen Räumungen einiger Bauern erfolgten willkürlich, sowohl im Morgengrauen als auch am Abend und ohne Präsenz eines Justizbeamten. Den Bauern wurde während und nach der Räumung weiterhin verboten Lebensmittel zu kaufen. Mehrere Bauern klagen, dass ihre Kinder seit Tagen (!) kein Essen bekommen haben. Unter ihnen befinden sich sowohl Kinder wie ältere Menschen, von denen einige an Malaria erkrankt sind. Es gibt dort weder eine Versorgung mit Lebensmitteln, noch mit medizinischen Artikeln.


Die Bevölkerung der Umgebung außerhalb des Camps äußert sich auch gegen die militärische Besetzung. Die Bevölkerung selber kriegt nämlich den Hass des Militärs zu spüren. Die Militärs haben den Ladenbesitzern außerhalb des Camps verboten, den Bewohnern in der Umgebung Lebensmittel zu verkaufen, egal ob sie Teil vom Camp sind oder nicht. Zusätzlich werden die Bewohner mit Gewalt gedroht, sollten sie irgendeine Form von Unterstützung für die Bauern des Camps zeigen. Die Bauern haben Todesangst, da die Militärs von einem „kommenden Blutbad“ reden.

Die Gewaltexzesse der Militärs sind allgegenwärtig und Routine. Die Gewalt reicht von der Nutzung von Pfeffersprays, Schläge, Ohrfeigen, Demütigungen bis zu Drohungen Opfer des „kommenden Blutbads“ zu werden. Ein 14-Jähriger, der von Militärs in den Bauch und im Intimbereich geschlagen wurde, empörte sich: „Die Militärs kommen her mit Masken, bis auf die Zähne bewaffnet und behandeln die Bevölkerung wie Banditen! (…) Das ist nicht die Rolle von denen die sagen, dass sie die Bevölkerung beschützen!“.


Es befinden sich bis dato noch Bauern im Camp die tapfer Widerstand gegen das Militär leisten. Weitere hundert Bauern demonstrierten gemeinsam mit Anwälten, Ärzten, Journalisten und Solidaritätsorganisationen am 27. Oktober vor dem Camp, um in ihre Häuser zurückzukehren.

Der Widerstand geht weiter. Es ist wichtig im Sinne der internationalen Solidarität den Kampf der armen Bauern zu unterstützen! Der brasilianische Staat will ein Massaker anrichten, es braucht auch die internationale Solidarität um das zu verhindern.


Eine Bauernversammlung in einer Schule.

Im Camp - die Bauern sind organisiert!

Auch Kinder sind Opfer der Räumung.


Links für weitere Informationen zur Räumung:


https://anovademocracia.com.br/ (Portugiesisch/Spanisch/Englisch)

https://twitter.com/jornaland

https://resistenciacamponesa.com/ (Portugiesisch)

https://demvolkedienen.org/index.php/de/ (Deutsch)