Ärztemangel: Schon seit Jahren ein drängendes Thema


Während die Zahl der Ärzte mit Kassenvertrag stagniert, steigt die Anzahl der Wahlärzte sprunghaft an.


Im Jahr 1999 gab es 6.923 ÖGK-Vertragsärzte und 4.476 Wahlärzte, im Jahr 2018 standen 7.099 ÖGK-Vertragsärzte 10.099 Wahlärzten gegenüber. Derzeit arbeiten zwei von drei Hausärzten auch nach erreichen des Pensionsalters weiter, um ihre Patientinnen und Patienten nicht im Stich zu lassen. Wer es sich leisten kann geht zu einem Wahlarzt, alle anderen müssen in überfüllten Wartezimmern sitzen, monatelang auf notwendige Untersuchungen warten und die Dauer bei der ärztlichen Untersuchung ist sehr kurz.


Dieses Phänomen ist nichts Neues, der Ärztemangel hält manche Gebiete, vor allem in weniger dicht besiedelten Gebieten, schon lange im Würgegriff. Paradoxerweise hat Österreich die zweitgrößte Ärztedichte in Europa – aber viel zu wenige Kassenärzte. Dabei gäbe es dutzende ausgebildete Ärzte, die in diesen Gebieten gerne als niedergelassene Ärzte arbeiten würden, aber nicht dürfen. Sie dürfen nicht, da sie ihre medizinische Ausbildung im Ausland absolviert haben. Die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen, vor allem jener der Humanmedizin, ist in Österreich ein sehr langwieriger, schwieriger, bürokratischer und auch teurer Weg. Nicht verwunderlich, dass aufgrund dieser Hürden die meisten Taxifahrer in Wien eigentlich ausgebildete Ärzte sind. Um in Österreich als Arzt/Ärztin mit einem Studienabschluss aus Drittstaaten arbeiten zu dürfen, muss das Studium in Österreich anerkannt werden. Im Schnitt dauern die Nostrifizierung und der Erhalt der Berufsberechtigung in etwa 15 – 60 Monate. Die Kosten des Verfahrens belaufen sich auf mindestens 3.000,- Euro für Studien- und Prüfungsgebühren, Fachsprachen- und Deutschkurse und Fachliteratur. Die lange Verfahrensdauer und die hohen Kosten veranlassen viele Ärzte und Ärztinnen einen anderen Beruf zu ergreifen, um sich ihren Lebensunterhalt sichern zu können.


Gerade in Zeiten in denen das Gesundheitspersonal schon lange weit über dem Limit ist, könnte qualifiziertes Personal aus dem Gesundheitsbereich Abhilfe schaffen, wenn ihnen der Zugang zu ihren Berufen erleichtert wird. Dass die Herrschenden keinerlei Interesse für die Verbesserung unseres Gesundheitssystems, für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in diesem Bereich haben, wurde in den letzten zwei Krisenjahren mehr als einmal sehr deutlich gezeigt. Man erinnere sich nur an das gekürzte Budget im Gesundheitsbereich letztes Jahr (160 Mio.). Diese Kürzung zeigt deutliche Auswirkungen in den Notaufnahmen in Krankenhäusern, wo nun nur mehr zwei Ärzte anstatt vier Ärzten die Patientenflut bewältigen müssen, was zwangsweise zu viel längeren Wartezeiten und eventuell auch zu weniger umfangreichen Untersuchungen führen kann.





Quellen: August Gächter, Studie zur Anerkennung, NÖ Nachrichten

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